Warum Verfahren beim Namen genannt gehören
„KI-gestützte Analyse“ kann alles heißen, von einer Regressionsgeraden bis zu einem Sprachmodell, das Zahlen erfindet. Ein benanntes Verfahren kann man nachschlagen, nachrechnen und widerlegen. Riccati ist von 1724, Pontryagin von 1956, Kaplan-Meier von 1958, Holt-Winters von 1960. Keines dieser Verfahren ist neu. Neu ist, dass sie in einem Onlinehandel zusammen an einem Modell rechnen, und dass ein Händler mit 340 Bestellungen im Monat sie bekommt.
Das Register unten ordnet jeder Frage, die ein Händler morgens hat, das Verfahren zu, das sie beantwortet, das Ergebnis, das dabei herauskommt, und den Takt, in dem es gerechnet wird. Ein Sprachmodell kommt in diesem Register nicht vor. Es sitzt darüber, liest die Ergebnisse und formuliert Vorschläge, rechnet aber nichts selbst.
Das Register: sechzehn Fragen, sechzehn Verfahren
| Händlerfrage | Verfahren | Ergebnis | Takt |
|---|---|---|---|
| Welchen Hebel ziehe ich zuerst, und wie stark? | Linear-quadratischer Regler über die algebraische Riccati-Gleichung; Systemmatrix aus den elf Kausalkanten | Optimale Stellgröße je Dimension | je Herzschlag |
| Wie verteile ich das Werbebudget auf Kanäle? | Lagrange-Multiplikator, KKT-Bedingungen, Gleich-Grenznutzen, Schattenpreis | Budget je Kanal, Wert des nächsten Euros | auf Abruf |
| Wann und mit welchem Rabatt hole ich einen Kunden zurück? | Pontryagin-Maximumprinzip, numerische Integration plus Rastersuche | Zeitpunkt und Rabatthöhe der Rückholmail | je Kunde |
| Welcher Kunde wandert ab, und warum? | LightGBM, kalibriert, zeitlich sauber validiert, SHAP-Erklärung je Kunde, neun Verhaltensmerkmale | Abwanderungswahrscheinlichkeit mit den drei stärksten Gründen | wöchentlich neu trainiert |
| Was ist ein Kunde wert? | BG/NBD für die Kauffrequenz, Gamma-Gamma für den Wert, 12 Monate | Kundenwert in Euro | täglich |
| Kommt der Erstkäufer wieder? | Zensurkorrekte Zweitkaufrate, Fenster Tag 14 bis 60 | Liste der Kunden im offenen Zweitkauf-Fenster | täglich |
| Halten meine Kohorten? | Kaplan-Meier, Wilson-Konfidenzintervall, Fisher-Test mit Benjamini-Hochberg | Überlebenskurve je Kohorte, signifikante Unterschiede | täglich |
| Was verkauft sich nächste Woche? | Holt, Holt-Winters oder TSB je nach Nullanteil, Kalman-Parameter, konforme Intervalle | Nachfrage je Artikel mit P10 und P90 | täglich |
| Wann muss ich nachbestellen, wie viel? | (s,Q)-Politik, Sicherheitsbestand z·σ·√L, Karton- und Mindestmengenrundung, Mindesthaltbarkeit kappt | Deadline, Menge, Euro-Risiko bei Verzug | täglich |
| Was bleibt je Artikel wirklich? | Deckungsbeitrags-Wasserfall DB1, DB2, DB3 mit Kostenhierarchie und ausgewiesenem Annahmeanteil | DB1 je Artikel, DB2 je Kanal, POAS je Kampagne | täglich |
| Reicht mein Geld die nächsten 13 Wochen? | Deterministische Liquiditätsvorschau aus Fälligkeiten, Run-Rates, Nachbestellungen, Fixkosten | Wochenendstände, Tiefpunkt, Datum | täglich |
| Was passiert, wenn ich das Budget um 20 Prozent erhöhe? | Vorwärtssimulation mit gepaartem Monte-Carlo, 500 Pfade; DoWhy-do-Operator mit Refutation | Euro-Effekt mit Band und Konfidenz | auf Abruf |
| Hat die Kampagne wirklich gewirkt? | Checkpoints Tag 2, 7, 30; Inkrementalität gegen stille Kontrollgruppe | Gemessener Euro-Effekt | stündlich geprüft |
| Verrechnet sich mein Zahlungsanbieter? | Abgleich effektive Gebührenrate gegen Vertragsregel | Abweichung in Prozentpunkten | täglich |
| Darf ich diesen Rabatt bewerben? | Tägliche Preishistorie, niedrigster Preis der letzten 30 Tage nach Preisangabenverordnung | Bestpreis-Prüfung | täglich ab 03:00 |
| Was sagt der Markt? | Stündlicher Sammler über Google-News, EFSA, RASFF und Recherche-Matrix; Beleg-Tor mit Zitatpflicht | Belegte Marktsignale mit Quelle | stündlich |
Drei Zeilen im Detail
Nachbestellung. Die Engine liest den vorhandenen Nachfrage-Forecaster, keine zweite Prognose. Sie rechnet je Artikel den Sicherheitsbestand aus Servicegrad, Nachfragestreuung und Lieferzeit, kappt die Menge, wenn die Ware vor Ablauf der Mindesthaltbarkeit nicht verkaufbar wäre, rundet Kartons ab statt auf, meldet Konflikte mit Mindestbestellmengen statt zu überbestellen, und rechnet die Deadline rückwärts aus dem pessimistischen Stockout-Datum. Das Euro-Risiko ist verlorene Tage mal Tagesabsatz mal Preis.
Abwanderung. Ein Gradient-Boosting-Modell auf neun Verhaltensmerkmalen, kalibriert, damit 70 Prozent auch 70 Prozent bedeuten, zeitlich validiert, damit es nicht aus der Zukunft lernt. Der Horizont ist je Shop das Anderthalbfache des mittleren Kaufabstands, begrenzt auf 30 bis 180 Tage. Trainiert wird nur auf Kunden, die zum Stichtag noch lebten. Ein Mindest-Gütemaß verwirft ein Modell, das nicht besser ist als eine einfache Heuristik, und sagt das dazu.
Was-wäre-wenn. Basis und Maßnahme laufen durch identische Rauschpfade, Common Random Numbers, damit die Differenz die Maßnahme misst und nicht den Zufall. Dazu ein echter do-Operator mit Backdoor-Identifikation und Refutationstests, der prüft, ob der gemessene Effekt einem Placebo standhält.
Wie das Register zusammenhängt
Alle sechzehn Zeilen lesen aus demselben Zustandsmodell mit sechs Dimensionen und elf Wirkungspfaden, und sie schreiben in dasselbe Modell zurück. Deshalb sind die Ergebnisse vergleichbar: Der Euro-Wert eines Vorschlags aus der Regelung ist mit demselben Netz gerechnet wie das Risiko einer verpassten Nachbestellung. Wie das Modell aufgebaut ist, welche Takte es antreiben und wie es sich selbst benotet, steht im Whitepaper „Dein Geschäft ist ein System. Hier ist seine Mathematik.“, Kapitel 2 bis 6, mit den Formeln im Anhang.
Die Rechnung, mit der alles beginnt, der Deckungsbeitrag je Bestellung für drei Warenkorbwerte, ist als Fachbeitrag im Controlling-Portal erschienen, mit Excel-Vorlage.
