Retourenquote nach Branche: Händlerbefragung EHI 2025
Das EHI Retail Institute hat im Sommer 2025 124 Onlinehändler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zu Versand, Verpackung und Retourenmanagement befragt; die Ergebnisse wurden am 27. November 2025 veröffentlicht. Die Studie fragt nicht „Wie hoch ist Ihre Quote?" als Mittelwert, sondern in Klassen — deshalb stehen unten Anteile der Händler je Quotenklasse, kein Branchendurchschnitt. Das ist ehrlicher als eine einzelne Zahl, weil die Spreizung innerhalb einer Branche größer ist als zwischen den Branchen.
| Branche | Verteilung der Händler nach Retourenquote | Lesart |
|---|---|---|
| Textil / Bekleidung | 87,7 % der Händler bis 50 % Quote · 12,2 % über 50 % · 24,5 % zwischen 36 und 50 % · nur 12,2 % bis 10 % | Die Branche mit der breitesten Streuung: Jeder achte Textilhändler schickt mehr als die Hälfte der Ware wieder zurück; nur jeder achte liegt im Bereich, der für andere Branchen normal ist. |
| Elektronik | 85,7 % bis 10 % · Rest bis 35 % | Weit überwiegend einstellig; Ausreißer bis 35 % kommen vor (Zubehör, Fehlkäufe). |
| Möbel / Einrichtung | rund 93 % bis 10 % | Niedrige Quote — aber jede Retoure ist sperrig und teuer. |
| Alle Händler: Kosten je Retoure | 53,3 % bis 10 € · 13,9 % bis 20 € · 27 % können die Kosten nicht beziffern | Mehr als jeder vierte Händler kennt seine Retourenkosten nicht — und die Hälfte rechnet mit Beträgen, die nur Transport und Bearbeitung enthalten. |
| KI im Retourenmanagement | 7,3 % der Händler | Stand Sommer 2025 eine Randerscheinung. |
Quelle: EHI Retail Institute, Pressemitteilung „Zwischen Retouren und Rentabilität" vom 27.11.2025 zur Studie „Versand-, Verpackungs- und Retourenmanagement im E-Commerce 2025" (n = 124, DACH, Sommer 2025); Textil-Detail 36–50 % laut Berichterstattung der TextilWirtschaft zur selben Studie. ehi.org/presse/zwischen-retouren-und-rentabilitaet
Deutschland gegen EU: Europäische Händlerbefragung der Universität Bamberg
Die Forschungsgruppe Retourenmanagement der Universität Bamberg hat 2022 die erste europaweite Händlerbefragung zum Retourenmanagement (EUROM) veröffentlicht: 411 Händler, Daten aus 2020/21. Sie liefert die Zahlen, die in Deutschland am häufigsten zitiert werden — und den Vergleich, der erklärt, warum die deutsche Quote so hoch ist.
| Kennzahl | Deutschland | EU-Vergleich | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| Anteil retournierter Pakete | ≈ 25 % („fast jedes vierte Paket") | — | Über alle Branchen; Textil deutlich darüber, Elektronik und Möbel darunter (siehe EHI). |
| Retourensendungen 2021 | ≈ 530 Mio. | — | Entspricht ≈ 1,3 Mrd. Artikeln — im Schnitt 2,45 Artikel je Rücksendung. |
| Ø Transport- und Bearbeitungskosten je Artikel | 2,85 € | — | Nur Rücktransport und Bearbeitung — nicht der verlorene Erlös, nicht der Wertverlust, nicht die Gebühr. |
| CO₂-Äquivalent je retourniertem Artikel | ≈ 1.500 g | — | Hochgerechnet ≈ 795.000 t CO₂e im Jahr 2021. |
| Händler mit kostenloser Rücksendung | 88,7 % | 52,4 % | Der stärkste Einzeltreiber der deutschen Quote: Rücksenden kostet den Kunden nichts. |
| Händler mit Rechnungskauf | 28,8 % | 9,9 % | Rechnungskauf senkt die Hürde, mehrere Größen zu bestellen und zurückzuschicken. |
Quelle: Universität Bamberg, Forschungsgruppe Retourenmanagement, Pressemitteilung „Erste europäische Händlerbefragung zum Retourenmanagement" vom 07.09.2022 (n = 411, Daten 2020/21). uni-bamberg.de/presse/…/erste-europaeische-haendlerbefragung-retourenmanagement
Was die Studien nicht liefern: die Kosten einer Retoure in deinem Shop
2,85 € je Artikel ist die Zahl, die hängen bleibt — und sie ist korrekt für das, was sie misst: Rücktransport und Bearbeitung. Für die Kalkulation eines Händlers ist sie irreführend, weil eine Retoure fünf Kosten hat, von denen vier in keiner Studie stehen: Der Erlös der Bestellung ist weg, der Hinversand ist verloren, die Zahlartgebühr wird vom Anbieter nicht erstattet, die Ware verliert Wert — und erst dann kommen Rückversand und Bearbeitung. Am Beispielartikel dieser Seite (39,90 € brutto, Einkauf 12,00 €, Versand 4,90 €, Zahlartgebühr 2,5 % + 0,35 €, Rückversand und Bearbeitung 6,00 €, Wertverlust 10 % der Ware) sieht die Vollkostenrechnung so aus:
| Deckungsbeitrag der behaltenen Bestellung, der wegfällt (33,53 € netto − 12,00 € Ware − 4,90 € Versand − 1,35 € Gebühr) | 15,28 € |
| + Hinversand verloren und Zahlartgebühr nicht erstattet (4,90 € + 1,35 €) | 6,25 € |
| + Rückversand und Bearbeitung | 6,00 € |
| + Wertverlust der Ware (10 % von 12,00 €) | 1,20 € |
| = Verlust je Retoure (Vollkosten) | 28,73 € |
| Zum Vergleich: Ø Transport- und Bearbeitungskosten laut Bamberg | 2,85 € |
Faktor 10 zwischen der Studienzahl und der Zahl, die in die Kalkulation gehört. Daraus folgt die zweite Rechnung, die keine Branchenstatistik ersetzen kann: der Erwartungswert je Bestellung. Bei 10 % Quote kostet jede Bestellung 2,87 € Retouren (0,10 × 28,73 €), bei 30 % sind es 8,62 €. Die Tabelle zeigt, was das mit dem Deckungsbeitrag des Beispielartikels macht — DB2 nach Versand, Gebühr und Retouren, DB3 nach zusätzlich 6,00 € Werbung je Bestellung:
| Retourenquote | Retourenkosten je Bestellung | DB2 je Bestellung | DB3 je Bestellung | DB3 bei 400 Bestellungen/Monat |
|---|---|---|---|---|
| 0 % | 0,00 € | 15,28 € | 9,28 € | 3.712,76 € |
| 5 % (Elektronik, Möbel) | 1,44 € | 13,85 € | 7,85 € | 3.138,18 € |
| 10 % (Beispiel) | 2,87 € | 12,41 € | 6,41 € | 2.563,59 € |
| 20 % | 5,75 € | 9,54 € | 3,54 € | 1.414,41 € |
| 25 % (deutscher Schnitt) | 7,18 € | 8,10 € | 2,10 € | 839,82 € |
| 30 % | 8,62 € | 6,66 € | 0,66 € | 265,24 € |
| 35 % | 10,06 € | 5,23 € | −0,77 € | −309,35 € |
| 40 % (Textil, jeder vierte Händler) | 11,49 € | 3,79 € | −2,21 € | −883,94 € |
| 50 % | 14,36 € | 0,92 € | −5,08 € | −2.033,12 € |
Der Kipppunkt liegt für diesen Artikel bei 32,3 %: Darüber macht er trotz Verkäufen Verlust. Ein Textilhändler mit 40 % Quote und diesem Kostenprofil verliert 2,21 € je Bestellung — bei 400 Bestellungen im Monat 883,94 €, bevor eine Fixkostenzeile berührt ist. Die Zahlen sind vom Beispielartikel abhängig; mit dem Deckungsbeitrags-Rechner lässt sich der Kipppunkt für jeden eigenen Artikel rechnen.
Methodik und Grenzen
- Quotenklassen statt Mittelwert. Die EHI-Studie erhebt Anteile der Händler je Quotenklasse. „Textil 87,7 % bis 50 %" heißt: 87,7 % der befragten Textilhändler liegen bei höchstens 50 % — nicht, dass die Branche 50 % retourniert.
- Paketquote ist nicht Artikelquote. Bamberg zählt Sendungen (≈ 25 % der Pakete); je Sendung kommen ≈ 2,45 Artikel zurück. Für die Kalkulation je Artikel zählt die Artikelquote aus dem eigenen Shop — Retouren ÷ verkaufte Stück je Artikel und Zeitraum.
- Stichproben. 124 Händler (EHI) und 411 Händler (Bamberg) sind Befragungen, keine Vollerhebungen; kleine Branchenklassen (Möbel) haben wenige Fälle. Die Daten von Bamberg beziehen sich auf 2020/21 — ein Zeitraum mit pandemiebedingt hohem Onlineanteil.
- Kosten-Beispiel. Die Vollkostenrechnung gilt für den genannten Beispielartikel; Zahlartgebühren (Stand 26.08.2026) und Wertverlust variieren je Zahlart und Warengruppe. Bei Marktplatzverkäufen wird die Marktplatzgebühr meist erstattet, die Zahlartgebühr nicht.
- Aktualisierung. Diese Seite wird nachgezogen, sobald EHI oder die Universität Bamberg neue Erhebungen veröffentlichen; das Datum steht oben in der Byline.
Was ein Händler mit diesen Zahlen macht
Erstens: die eigene Artikelquote messen statt eine Branchenzahl übernehmen — die Warenwirtschaft kennt sie. Zweitens: den Verlust je Retoure als Vollkosten rechnen, nicht als Rückporto. Drittens: beides multiplizieren und als Erwartungswert in die Kalkulation jedes Artikels nehmen. Wer das für sein meistverkauftes Produkt in einer Viertelstunde durchrechnet, weiß mehr über seine Retouren als 27 % der befragten Händler — die ihre Retourenkosten nicht beziffern können.
