Warum ein Dashboard nicht warnt
Ein Dashboard zeigt Zahlen, die stattgefunden haben. Es sagt nicht, dass die Werbekampagne seit Dienstag Budget auf einen Artikel schiebt, der laut Warenwirtschaft am Freitag ausverkauft ist. Es sagt nicht, dass die Retourenquote eines einzelnen Artikels in den letzten 14 Tagen über zwei Standardabweichungen gesprungen ist, was fast immer eine Charge, eine Verpackung oder eine Produktbeschreibung als Ursache hat. Und es sagt nicht, dass die Liquidität in Woche 9 unter null fällt, weil Amazon alle vierzehn Tage auszahlt und der Lieferant vorab bezahlt werden will.
Solche Situationen entstehen zwischen Systemen, die einander nicht sehen. Sie erkennt man nur mit Regeln, die mehrere Quellen gleichzeitig lesen, und mit einem Takt, der nicht darauf wartet, dass jemand nachschaut.
Die 27 Regeln, stündlich geprüft
Die folgende Liste ist der vollständige Regelsatz, den de_core stündlich gegen die verbundenen Systeme eines Händlers prüft. Jede Regel ist eine Händlersituation mit Schwelle. Ein Zustandsautomat sorgt dafür, dass eine Regel einmal meldet, bei einer Verschlechterung um mehr als 10 Prozent eskaliert und sich meldet, wenn die Situation aufgelöst ist. Schwellen mit der Kennzeichnung „adaptiv“ lernt das System aus der Historie des jeweiligen Shops.
| Nr. | Bereich | Regel | Schwelle | Stufe |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Bestand | Mindestbestand unterschritten | Verhältnis Bestand zu Mindestbestand unter 0,5 | kritisch |
| 2 | Bestand | Viele Artikel knapp | mehr als 3 Artikel unter Meldebestand | Warnung |
| 3 | Bestand | Bestelldeadline in drei Tagen | mindestens 1 Artikel, Meldung nennt das Euro-Risiko | Warnung |
| 4 | Bestand | Ladenhüter binden Kapital | über 2.000 Euro in Artikeln mit Reichweite über 12 Wochen | Warnung |
| 5 | Finanzen | Marge unter Schwelle | Deckungsbeitragsmarge unter 15 Prozent | Warnung |
| 6 | Finanzen | Tagesumsatz bricht ein | Rückgang über 30 Prozent gegen die Basis | kritisch |
| 7 | Finanzen | Liquidität in 13 Wochen | kumulierter Tiefpunkt unter null | kritisch |
| 8 | Finanzen | Forderungen überfällig | mehr als 5 Rechnungen oder mehr als 5.000 Euro | Warnung |
| 9 | Finanzen | Verbindlichkeiten fällig in 7 Tagen | über 10.000 Euro | Warnung |
| 10 | Finanzen | Lieferantenbestellungen überfällig | mehr als 3 | Warnung |
| 11 | Gewinn | Artikel verkauft unter Einstand | mindestens 1 Artikel mit negativem DB1 | Warnung |
| 12 | Gewinn | Zahlungsgebühr weicht ab | über 0,5 Prozentpunkte gegen die Vertragsregel des Anbieters | Warnung |
| 13 | Marketing | Werbung auf Artikel mit Stockout-Risiko | über 5 Euro Tagesbudget auf Artikel, die vor Lieferung ausverkauft sind | Warnung |
| 14 | Marketing | Kreativ-Ermüdung | Frequenz über 3 und Klickrate fällt um 15 Prozent | Warnung |
| 15 | Marketing | Kampagne verdient nicht | Sieben-Tage-POAS unter 1 bei über 100 Euro Ausgabe | Warnung |
| 16 | Marketing | Kosten je Conversion | über 50 Euro | Warnung |
| 17 | Qualität | Retouren-Ausreißer je Artikel | 14-Tage-Retourenquote über Mittelwert plus zwei Standardabweichungen der eigenen Historie | Warnung |
| 18 | Kunden | Stornoquote | über 10 Prozent | Warnung |
| 19 | Kunden | Abo-Zahlungen scheitern | mehr als 3 in 30 Tagen | Warnung |
| 20 | Versand | Lieferverzug | Verzugsquote über 15 Prozent | Warnung |
| 21 | Versand | Sendung hängt | unterwegs ohne neuen Scan über 48 Stunden, Meldung mit Carrier und Tracking | Warnung |
| 22 | Versand | Pünktlichkeitsquote | unter 90 Prozent gegen 48-Stunden-Soll, ab 10 Sendungen | Warnung |
| 23 | Service | Erste Antwort dauert | Median über 8 Stunden in 7 Tagen | Warnung |
| 24 | Service | Themen-Spike | Tickets in 24 Stunden über dem Dreifachen der Tagesbasis | Warnung |
| 25 | Ruf | Bewertungsportal | Score unter 3,5 | Warnung |
| 26 | Recht | Neues Produkt mit offenen Pflichtangaben | mindestens 1, kein Rechtsrat | Warnung |
| 27 | Betrieb | Erregungsspitze | Volumen-, Umsatz- oder Warenkorbeinbruch über die adaptive Schwelle des Shops | Eskalation |
Drei Regeln, die es sonst nirgends gibt
Werbung auf Artikel mit Stockout-Risiko (Regel 13). Die Regel verbindet drei Quellen: das Werbekonto, das Geld ausgibt, die Warenwirtschaft, die den Bestand kennt, und die Nachfrageprognose, die weiß, wann der Bestand leer ist. Kein Werbekonto meldet, dass es für Ware wirbt, die morgen nicht mehr da ist. Die Meldung nennt den Tagesbetrag, der gerade verbrennt.
Retouren-Ausreißer je Artikel (Regel 17). Nicht gegen einen Branchenwert, sondern gegen die eigene Wochenhistorie des Artikels. Springt die Quote über zwei Standardabweichungen, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit etwas am Produkt, an der Verpackung oder an der Beschreibung passiert. Das ist die Frage, die ein Händler sonst erst stellt, wenn der Retourenberg im Lager liegt.
Zahlungsgebühr weicht ab (Regel 12). Die effektive Gebührenrate aus der Abrechnung des Zahlungsanbieters wird gegen die Vertragsregel bei der mittleren Transaktionsgröße gerechnet. Weicht sie um mehr als einen halben Prozentpunkt ab, meldet das System. Bei 50.000 Euro Monatsumsatz sind das 250 Euro, die sonst niemand nachrechnet.
Was nach dem Alarm passiert
Ein Alarm ist eine Meldung, keine Handlung. Er landet im Morgen-Digest um 07:15 und, bei kritischer Stufe, sofort per Nachricht. Der Analyst des Systems liest denselben Alarm, prüft ihn gegen Zustand, Prognose und Liquidität und macht einen Vorschlag mit Euro-Wert und Priorität. Ausgeführt wird nur nach Freigabe des Händlers, und nach außen sendet das System ausschließlich E-Mails. Jeder Alarm registriert beim Feuern außerdem eine Vorhersage, die nach Ablauf des Horizonts benotet wird. So lernt das System, welche seiner Regeln in diesem Shop treffen und welche zu früh schreien.
Die vollständige Beschreibung des Systems, mit den Takten, den Lernkreisen und dem Mathematik-Register, steht im Whitepaper „Dein Geschäft ist ein System. Hier ist seine Mathematik.“, Kapitel 4.
