Ratgeber · Aus dem Whitepaper

27 Alarmregeln für Onlinehändler: was ein System stündlich prüfen sollte

Bestelldeadline in drei Tagen, Werbung auf einen Artikel, der morgen ausverkauft ist, Retourenquote eines Artikels springt, Sendung seit 48 Stunden ohne Scan. Das sind keine Kennzahlen, das sind Situationen. Hier ist der komplette Regelsatz, den de_core stündlich prüft, mit Schwellen, damit du deinen eigenen daran messen kannst.

Warum ein Dashboard nicht warnt

Ein Dashboard zeigt Zahlen, die stattgefunden haben. Es sagt nicht, dass die Werbekampagne seit Dienstag Budget auf einen Artikel schiebt, der laut Warenwirtschaft am Freitag ausverkauft ist. Es sagt nicht, dass die Retourenquote eines einzelnen Artikels in den letzten 14 Tagen über zwei Standardabweichungen gesprungen ist, was fast immer eine Charge, eine Verpackung oder eine Produktbeschreibung als Ursache hat. Und es sagt nicht, dass die Liquidität in Woche 9 unter null fällt, weil Amazon alle vierzehn Tage auszahlt und der Lieferant vorab bezahlt werden will.

Solche Situationen entstehen zwischen Systemen, die einander nicht sehen. Sie erkennt man nur mit Regeln, die mehrere Quellen gleichzeitig lesen, und mit einem Takt, der nicht darauf wartet, dass jemand nachschaut.

Die 27 Regeln, stündlich geprüft

Die folgende Liste ist der vollständige Regelsatz, den de_core stündlich gegen die verbundenen Systeme eines Händlers prüft. Jede Regel ist eine Händlersituation mit Schwelle. Ein Zustandsautomat sorgt dafür, dass eine Regel einmal meldet, bei einer Verschlechterung um mehr als 10 Prozent eskaliert und sich meldet, wenn die Situation aufgelöst ist. Schwellen mit der Kennzeichnung „adaptiv“ lernt das System aus der Historie des jeweiligen Shops.

Nr.BereichRegelSchwelleStufe
1BestandMindestbestand unterschrittenVerhältnis Bestand zu Mindestbestand unter 0,5kritisch
2BestandViele Artikel knappmehr als 3 Artikel unter MeldebestandWarnung
3BestandBestelldeadline in drei Tagenmindestens 1 Artikel, Meldung nennt das Euro-RisikoWarnung
4BestandLadenhüter binden Kapitalüber 2.000 Euro in Artikeln mit Reichweite über 12 WochenWarnung
5FinanzenMarge unter SchwelleDeckungsbeitragsmarge unter 15 ProzentWarnung
6FinanzenTagesumsatz bricht einRückgang über 30 Prozent gegen die Basiskritisch
7FinanzenLiquidität in 13 Wochenkumulierter Tiefpunkt unter nullkritisch
8FinanzenForderungen überfälligmehr als 5 Rechnungen oder mehr als 5.000 EuroWarnung
9FinanzenVerbindlichkeiten fällig in 7 Tagenüber 10.000 EuroWarnung
10FinanzenLieferantenbestellungen überfälligmehr als 3Warnung
11GewinnArtikel verkauft unter Einstandmindestens 1 Artikel mit negativem DB1Warnung
12GewinnZahlungsgebühr weicht abüber 0,5 Prozentpunkte gegen die Vertragsregel des AnbietersWarnung
13MarketingWerbung auf Artikel mit Stockout-Risikoüber 5 Euro Tagesbudget auf Artikel, die vor Lieferung ausverkauft sindWarnung
14MarketingKreativ-ErmüdungFrequenz über 3 und Klickrate fällt um 15 ProzentWarnung
15MarketingKampagne verdient nichtSieben-Tage-POAS unter 1 bei über 100 Euro AusgabeWarnung
16MarketingKosten je Conversionüber 50 EuroWarnung
17QualitätRetouren-Ausreißer je Artikel14-Tage-Retourenquote über Mittelwert plus zwei Standardabweichungen der eigenen HistorieWarnung
18KundenStornoquoteüber 10 ProzentWarnung
19KundenAbo-Zahlungen scheiternmehr als 3 in 30 TagenWarnung
20VersandLieferverzugVerzugsquote über 15 ProzentWarnung
21VersandSendung hängtunterwegs ohne neuen Scan über 48 Stunden, Meldung mit Carrier und TrackingWarnung
22VersandPünktlichkeitsquoteunter 90 Prozent gegen 48-Stunden-Soll, ab 10 SendungenWarnung
23ServiceErste Antwort dauertMedian über 8 Stunden in 7 TagenWarnung
24ServiceThemen-SpikeTickets in 24 Stunden über dem Dreifachen der TagesbasisWarnung
25RufBewertungsportalScore unter 3,5Warnung
26RechtNeues Produkt mit offenen Pflichtangabenmindestens 1, kein RechtsratWarnung
27BetriebErregungsspitzeVolumen-, Umsatz- oder Warenkorbeinbruch über die adaptive Schwelle des ShopsEskalation

Drei Regeln, die es sonst nirgends gibt

Werbung auf Artikel mit Stockout-Risiko (Regel 13). Die Regel verbindet drei Quellen: das Werbekonto, das Geld ausgibt, die Warenwirtschaft, die den Bestand kennt, und die Nachfrageprognose, die weiß, wann der Bestand leer ist. Kein Werbekonto meldet, dass es für Ware wirbt, die morgen nicht mehr da ist. Die Meldung nennt den Tagesbetrag, der gerade verbrennt.

Retouren-Ausreißer je Artikel (Regel 17). Nicht gegen einen Branchenwert, sondern gegen die eigene Wochenhistorie des Artikels. Springt die Quote über zwei Standardabweichungen, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit etwas am Produkt, an der Verpackung oder an der Beschreibung passiert. Das ist die Frage, die ein Händler sonst erst stellt, wenn der Retourenberg im Lager liegt.

Zahlungsgebühr weicht ab (Regel 12). Die effektive Gebührenrate aus der Abrechnung des Zahlungsanbieters wird gegen die Vertragsregel bei der mittleren Transaktionsgröße gerechnet. Weicht sie um mehr als einen halben Prozentpunkt ab, meldet das System. Bei 50.000 Euro Monatsumsatz sind das 250 Euro, die sonst niemand nachrechnet.

Was nach dem Alarm passiert

Ein Alarm ist eine Meldung, keine Handlung. Er landet im Morgen-Digest um 07:15 und, bei kritischer Stufe, sofort per Nachricht. Der Analyst des Systems liest denselben Alarm, prüft ihn gegen Zustand, Prognose und Liquidität und macht einen Vorschlag mit Euro-Wert und Priorität. Ausgeführt wird nur nach Freigabe des Händlers, und nach außen sendet das System ausschließlich E-Mails. Jeder Alarm registriert beim Feuern außerdem eine Vorhersage, die nach Ablauf des Horizonts benotet wird. So lernt das System, welche seiner Regeln in diesem Shop treffen und welche zu früh schreien.

Die vollständige Beschreibung des Systems, mit den Takten, den Lernkreisen und dem Mathematik-Register, steht im Whitepaper „Dein Geschäft ist ein System. Hier ist seine Mathematik.“, Kapitel 4.

Häufige Fragen

Kann ich die Schwellen der Alarmregeln selbst ändern?

Die Schwellen sind Startwerte. Ein Teil davon ist adaptiv und lernt aus der Historie des jeweiligen Shops, was ein Einbruch ist. Ein wöchentlicher Reflexionslauf justiert Schwellen außerdem anhand der Trefferquote der Alarme. Eigene Regeln legt der Händler über die Alarm-Einstellungen an.

Welche Systeme müssen verbunden sein, damit die Regeln greifen?

Bestands- und Gewinnregeln brauchen Shop oder Warenwirtschaft mit Einkaufspreisen. Marketingregeln brauchen ein verbundenes Werbekonto. Versand- und Serviceregeln brauchen Sendungs- beziehungsweise Ticketdaten. Regeln ohne Datenquelle bleiben stumm und werden als nicht prüfbar ausgewiesen, nie als grün.

Handelt das System bei einem Alarm selbst?

Nein. Ein Alarm erzeugt eine Meldung und gegebenenfalls einen Vorschlag. Ausgeführt wird nur nach Freigabe. Die einzige Handlung nach außen ist das Senden einer E-Mail, und auch das nur nach Bestätigung.

Weiterlesen und rechnen

Welche der 27 Regeln hätte gestern in deinem Shop gefeuert?

de_core prüft alle Regeln stündlich gegen Shop, Warenwirtschaft, Werbekonto, Zahlungsanbieter und Versand. Erste Befunde Minuten nach dem Anschluss.