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Deckungsbeitrag berechnen — DB1, DB2 und DB3 je Produkt, wie sie im Onlinehandel wirklich entstehen

Deckungsbeitrag = Netto-Erlös − variable Kosten. Im Onlinehandel sind das drei Stufen: DB1 nach Wareneinsatz, DB2 nach Versand, Zahlartgebühr, Marktplatzgebühr und Retouren, DB3 nach Werbekosten. Im Beispiel bleiben von 39,90 € Verkaufspreis 21,53 € DB1 — und 6,42 € DB3. Nur die letzte Zahl bezahlt deine Fixkosten.

Dein Produkt

Preis und Ware

%

Zahlung und Retoure

%
%
%

Werbung und Kanal

%
%
%
Kanalvergleich je Bestellung: eigener Shop gegen Marktplatz
StufeEigener ShopMarktplatz
Netto-Erlös33,53 €33,53 €
DB1 nach Wareneinsatz21,53 €21,53 €
− Versand, Zahlartgebühr, Marktplatzgebühr−6,25 €−12,23 €
− Retourenkosten anteilig−2,87 €−2,27 €
DB212,41 €7,02 €
− Werbekosten−5,98 €−3,19 €
DB3 je Bestellung6,42 €3,83 €
DB3-Marge vom Netto19,2 %11,4 %
Bestellungen je Monat für die Fixkosten390653

Der eigene Shop bringt 2,59 € mehr je Bestellung. Der Marktplatz lohnt sich erst, wenn er dir Bestellungen bringt, die du im eigenen Shop nicht bekommst — oder wenn deine Werbekosten je Bestellung über die Marktplatzgebühr steigen.

Modell-Annahmen: Die Retoure geht als Erwartungswert ein (Retourenquote × Verlust je Retoure): Erlös weg, Hinversand verloren, Rückversand, Bearbeitung und Wertverlust der Ware kommen dazu, die Zahlartgebühr wird von PayPal, Stripe & Co. nicht erstattet. Die Marktplatzgebühr gilt bei Retoure als erstattet. Werbekosten fallen je Bestellung an, auch wenn sie retourniert wird. Fixkosten, Lagerkosten und deine eigene Arbeitszeit stehen nicht in den Stufen — sie müssen aus dem DB3 bezahlt werden.

DB1, DB2, DB3: die drei Stufen des Deckungsbeitrags im Onlinehandel

Die Betriebswirtschaft kennt eine Formel: Deckungsbeitrag = Erlös − variable Kosten. Sie stimmt — und sie ist für einen Onlineshop zu grob. Zwischen dem Verkaufspreis und dem, was am Monatsende Fixkosten bezahlt, liegen Kostenarten, die kein Einkaufspreis enthält: Versand, Zahlartgebühren, Marktplatzgebühren, Retouren, Werbung. Jede davon lässt sich einzeln beeinflussen, deshalb lohnt es sich, den Deckungsbeitrag in Stufen zu rechnen. Der Rechner oben macht das für ein Produkt; unten steht, was die Stufen bedeuten.

Warum vom Netto-Erlös? Weil die Umsatzsteuer ein durchlaufender Posten ist: Von 39,90 € brutto gehören bei 19 % genau 6,37 € dem Finanzamt. Gebühren und Werbekosten fallen dagegen auf den Brutto-Betrag an, den der Kunde zahlt — deshalb rechnet der Rechner beide Bezugsgrößen getrennt. Wer alles vom Brutto-Preis rechnet, überschätzt seinen Deckungsbeitrag um die Umsatzsteuer; wer Gebühren vom Netto rechnet, unterschätzt die Gebühren.

Beispielrechnung Stufe für Stufe (die Startwerte oben, eigener Shop)
Verkaufspreis brutto 39,90 € → netto bei 19 % USt33,53 €
− Wareneinsatz (Einkaufspreis netto inkl. Bezugskosten)−12,00 €
= DB1 (64,2 % vom Netto)21,53 €
− Versand + Versandverpackung−4,90 €
− Zahlartgebühr 2,5 % vom Brutto + 0,35 € fix−1,35 €
= Deckungsbeitrag einer behaltenen Bestellung15,28 €
Verlust je Retoure: Erlös weg, Rückversand 6,00 €, Wertverlust 1,20 € → −13,45 € statt +15,28 €28,73 €
− Retourenkosten anteilig: 10 % × 28,73 €−2,87 €
= DB2 (37,0 % vom Netto)12,41 €
− Werbekosten 15 % vom Brutto-Preis−5,98 €
= DB3 (19,2 % vom Netto)6,42 €

Von 64 % Marge im Warenwirtschafts-Bericht bleiben 19 % übrig. Nichts davon ist versteckt — es steht nur an fünf verschiedenen Stellen: Versandkosten beim Logistiker, Gebühren beim Zahlungsanbieter, Retouren im Lager, Werbekosten im Werbekonto. Der Deckungsbeitrag je Produkt entsteht erst, wenn man sie zusammenrechnet. Das ist der Grund, warum Shops mit gutem Umsatz und ohne Gewinn so häufig sind.

Deckungsbeitrag nach Retourenquote

Die Retourenquote ist im Onlinehandel der größte einzelne Hebel auf den Deckungsbeitrag — und der am seltensten kalkulierte. Die Tabelle rechnet das Beispielprodukt mit allen Startwerten durch und verändert nur die Quote. Jede Retoure kostet 28,73 € mehr, als eine behaltene Bestellung bringt; das ist der Betrag, den du mit der Quote multiplizierst.

RetourenquoteDB2 je BestellungDB3 je BestellungDB3-Marge vom Netto
0 %15,28 €9,30 €27,7 %
5 %13,85 €7,86 €23,4 %
10 %12,41 €6,42 €19,2 %
15 %10,97 €4,99 €14,9 %
20 %9,54 €3,55 €10,6 %
25 %8,10 €2,11 €6,3 %
30 %6,66 €0,68 €2,0 %
40 %3,79 €−2,19 €−6,5 %

Zwischen 10 % und 30 % Retourenquote verliert das Produkt fast seinen ganzen DB3 — bei 32,4 % ist er null. Ein Mode-Shop mit 59,90 € Verkaufspreis, 18,00 € Einkauf, 30 % Retourenquote, 15 % Wertverlust je Retoure und 20 % Werbekostenanteil landet bei 1,30 € DB3 je Bestellung; bei 40 % Quote sind es −2,81 €. Wie du die Retourenquote je Produkt bestimmst und senkst, steht im Ratgeber Retouren-Kosten.

Kanalvergleich: eigener Shop oder Marktplatz?

Die Frage „lohnt sich Amazon bei 15 % Gebühr?" lässt sich nicht mit der Gebühr beantworten, sondern nur mit dem DB3 je Kanal. Im eigenen Shop zahlst du keine Verkaufsprovision, aber jede Bestellung kostet Werbung — im Beispiel 15 % des Brutto-Umsatzes. Auf dem Marktplatz zahlst du die Provision, kommst aber mit weniger Werbung aus, weil der Marktplatz die Nachfrage mitbringt. Die Tabelle oben rechnet beide Kanäle mit denselben Produktzahlen: 6,42 € gegen 3,83 € je Bestellung. Der Marktplatz ist damit nicht schlechter, sondern er braucht 653 statt 390 Bestellungen, um dieselben Fixkosten zu decken.

Drei Dinge verschieben das Bild: Erstens sinkt die Marktplatzgebühr bei Retoure nur zum Teil — der Rechner nimmt vereinfachend an, dass sie erstattet wird. Zweitens haben Marktplatz-Bestellungen oft andere Retourenquoten als Shop-Bestellungen. Drittens: Wenn dein Werbekostenanteil im eigenen Shop über die Marktplatzgebühr steigt (im Beispiel ab 15 % + 8 % = 23 %), kehrt sich der Vergleich um. Trag deine Zahlen ein — die Tabelle rechnet mit.

Werbekostenanteil und Fixkosten: Wie viele Bestellungen brauchst du?

Der DB3 ist der Betrag, den jede Bestellung zur Deckung der Fixkosten beisteuert. Daraus folgt die wichtigste Zahl für die Monatsplanung: benötigte Bestellungen = Fixkosten ÷ DB3. Die Tabelle zeigt, wie stark der Werbekostenanteil diese Zahl bewegt — beim Beispielprodukt mit 10 % Retourenquote und 2.500 € Fixkosten.

Werbekostenanteil (KUR)DB3 je BestellungDB3-Marge vom NettoBestellungen je Monat für 2.500 € Fixkosten
0 %12,41 €37,0 %202
5 %10,41 €31,1 %241
10 %8,42 €25,1 %297
15 %6,42 €19,2 %390
20 %4,43 €13,2 %565
25 %2,43 €7,3 %1.028
30 %0,44 €1,3 %5.696

Zwischen 15 % und 25 % Werbekostenanteil verdoppelt sich die Zahl der Bestellungen, die du für dieselben Fixkosten brauchst; bei 30 % ist das Produkt praktisch nicht mehr zu skalieren. Ob dein Werbekostenanteil dort liegt, sagt dir dein Werbekonto — ob er tragbar ist, sagt dir nur der DB3. Deshalb rechnet der ROAS-Rechner den Break-even-ROAS aus genau dieser Marge.

Die Grenze dieses Rechners

Er rechnet ein Produkt mit einer Retourenquote und einem Werbekostenanteil. In Wirklichkeit hat jedes Produkt seine eigene Quote, jede Kampagne ihren eigenen Anteil, und beides verändert sich jede Woche. Ein Sortiment mit 300 Artikeln hat 300 DB3-Werte, von denen erfahrungsgemäß ein Teil negativ ist — und genau diese Artikel bekommen oft die meiste Werbung, weil sie den besten ROAS zeigen. Um das zu sehen, müssen Shop, Werbekonten, Zahlungsanbieter und Lager je Produkt zusammenrechnen — das ist der Job von de_core. Ob sich dein Shop als Ganzes trägt, rechnet der Ratgeber „Lohnt sich mein Onlineshop?" mit derselben Logik durch.

Häufige Fragen

Wie berechnet man den Deckungsbeitrag?

Deckungsbeitrag = Netto-Erlös − variable Kosten. Im Onlinehandel in drei Stufen: DB1 = Netto-Erlös − Wareneinsatz. DB2 = DB1 − Versand, Verpackung, Zahlartgebühr, Marktplatzgebühr und anteilige Retourenkosten. DB3 = DB2 − Werbekosten je Bestellung. Erst der DB3 sagt, was eine Bestellung wirklich zur Deckung der Fixkosten beiträgt.

Was ist der Unterschied zwischen DB1, DB2 und DB3?

DB1 ist der Warendeckungsbeitrag (Netto-Erlös minus Wareneinsatz), DB2 der Bestell-Deckungsbeitrag nach Versand, Zahlartgebühr, Marktplatzgebühr und Retouren, DB3 der Deckungsbeitrag nach Werbekosten. Im Beispiel (39,90 € Verkaufspreis, 12,00 € Einkauf) bleiben 21,53 € DB1, 12,41 € DB2 und 6,42 € DB3 — nur der letzte Wert bezahlt Fixkosten.

Warum rechnet der Deckungsbeitrag mit dem Netto-Preis?

Die Umsatzsteuer ist ein durchlaufender Posten: Von 39,90 € brutto gehören bei 19 % Umsatzsteuer 6,37 € dem Finanzamt. Wer den Deckungsbeitrag vom Brutto-Preis rechnet, überschätzt ihn um genau diesen Betrag. Zahlartgebühren, Marktplatzgebühren und Werbekosten fallen dagegen auf den Brutto-Betrag an — deshalb rechnet dieser Rechner beide Bezugsgrößen getrennt.

Wie gehen Retouren in den Deckungsbeitrag ein?

Als Erwartungswert je Bestellung: Retourenquote × Verlust je Retoure. Eine Retoure nimmt den Erlös weg, der Hinversand ist verloren, Rückversand, Bearbeitung, Wertverlust der Ware und die Zahlartgebühr kommen dazu. Im Beispiel kostet jede Retoure 28,73 € mehr als eine behaltene Bestellung bringt — bei 10 % Quote sind das 2,87 € je Bestellung. Ab 32,4 % Retourenquote arbeitet das Beispielprodukt im Minus.

Welcher Deckungsbeitrag muss positiv sein?

Der DB3. Ein positiver DB1 sagt nur, dass die Ware billiger eingekauft als verkauft wird. Ein Produkt mit 64 % DB1-Marge kann nach Retouren, Gebühren und Werbekosten bei 2 % landen — oder unter null. Ist der DB3 negativ, verliert jede zusätzliche Bestellung Geld, und mehr Werbung macht es schlimmer.

Lohnt sich ein Marktplatz trotz 15 % Gebühr?

Das entscheidet der DB3 je Kanal, nicht die Gebühr allein. Im Beispiel bleiben im eigenen Shop 6,42 € je Bestellung (15 % Werbekostenanteil), auf dem Marktplatz 3,83 € (15 % Gebühr, 8 % Werbekosten). Der Marktplatz ist nicht schlechter, wenn er deutlich mehr Bestellungen bringt und die eigenen Werbekosten pro Bestellung höher liegen als die Marktplatzgebühr — die Kanalvergleichs-Tabelle oben rechnet beides mit deinen Zahlen.

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