Ratgeber · Existenzfragen, ernst genommen

Onlineshop — lohnt sich das noch?

„Lohnt sich das noch?" ist eine Rechenfrage aus drei kleineren: Was verdient jede Bestellung wirklich? Welche Teile tragen, welche zehren? Decken die tragenden Teile die Fixkosten? Meist stirbt nicht der Shop, sondern ein Teil von ihm — die Antwort steht in deinen Top-5-Produkten, und sie hat drei ehrliche Ausgänge.

Welcher Teil deines Shops trägt — und welcher zehrt?

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Die Deckungsbeiträge je Bestellung liefert der Preiskalkulations-Rechner — erst die Top-5-Produkte, dann den Rest schätzen.

Annahme: Fällt der Rest weg, fallen auch seine Bestellungen weg — Fixkosten bleiben. Wachstum durch Werbung ist nicht eingerechnet; dafür zuerst den Break-even-ROAS im ROAS- & POAS-Rechner prüfen.

Warum sich die Frage so schwer anfühlt

„Lohnt sich das noch?" fühlt sich wie eine Charakterfrage an — Durchhalten oder Aufgeben. In Wirklichkeit ist sie eine Rechenfrage, die aus drei kleineren besteht: Was verdient jede Bestellung wirklich? Welche Teile des Geschäfts tragen — welche zehren? Und decken die tragenden Teile die Fixkosten? Solange diese drei unbeantwortet sind, entscheidet Erschöpfung statt Mathematik. Und Erschöpfung entscheidet fast immer schlechter.

Das häufigste Ergebnis: Der Shop stirbt nicht — ein Teil von ihm

Wer die Rechnung macht, findet selten „alles ist verloren" und selten „alles ist gut". Das typische Bild ist gemischt: Ein Kernsortiment mit ordentlicher Marge trägt den Laden — und daneben zehren ein paar Verlustbringer (zu dünne Marge, zu viele Retouren), ein Kanal, der nach Gebühren nichts übrig lässt, oder Werbekampagnen, die Bestellungen kaufen statt Gewinn zu bringen. Von außen sieht das aus wie „der Shop lohnt sich nicht". Von innen ist es: Der Shop subventioniert seine eigenen Verlustzonen.

Die Rechnung, bevor du entscheidest

  1. Rechne deine Top-5-Produkte durch (nach Umsatz) — mit dem Preiskalkulations-Rechner: Deckungsbeitrag je Bestellung, nach Retouren und Werbekosten. Du brauchst dafür keinen Zugang zu irgendwas außer deinen Einkaufspreisen.
  2. Multipliziere je Produkt: Deckungsbeitrag × Bestellungen pro Monat. Die Summe ist das, was dein Sortiment monatlich wirklich beisteuert.
  3. Stell die Fixkosten daneben: Miete, Software, Versicherung, dein eigener (ehrlicher) Unternehmerlohn. Ist die Sortiments-Summe größer? Dann lohnt sich der Kern deines Shops — und das Problem liegt in den Rändern. Ist sie kleiner: Wie weit? Ein 10-%-Loch ist ein Preis- und Kostenthema, ein 60-%-Loch eine andere Entscheidung.
  4. Prüfe die Werbung gegen die Marge — mit dem ROAS- & POAS-Rechner. Werbung, die unter dem Break-even läuft, ist der schnellste abstellbare Verlust.

Drei Ausgänge — in Zahlen

Der Rechner oben sortiert dein Ergebnis in eine von drei Situationen. Mit den Startwerten (400 Bestellungen, 70 % Kern mit 9 € Deckungsbeitrag, 30 % Rest mit −2 €, 1.800 € Fixkosten, 2.000 € Unternehmerlohn) sieht das so aus:

Sortiments-Rechnung (die Startwerte)
Kernsortiment: 280 Bestellungen × 9,00 €2.520,00 €
Rest: 120 Bestellungen × −2,00 €-240,00 €
= Deckungsbeitrag gesamt2.280,00 €
− Fixkosten−1.800,00 €
= Ergebnis vor Unternehmerlohn480,00 €
Ergebnis ohne den Rest (Kern − Fixkosten)720,00 €
− Unternehmerlohn 2.000 €-1.280,00 €

Ausgang 1 · Verkleinern statt schließen — der Kern trägt die Fixkosten, der Rest zehrt. Das ist der häufigste Befund. Die Zahl, die zählt: das Ergebnis ohne die zehrende Zone (720,00 € statt 480,00 €). Verlustbringer auslisten, den Kanal pausieren, der nach Gebühren nichts übrig lässt, Werbung unter dem Break-even abschalten — und dann mit dem verkleinerten Shop die Frage nach dem Unternehmerlohn stellen.

Ausgang 2 · Weitermachen mit Frist und Messpunkten — Kern und Rest tragen, aber der Unternehmerlohn ist nicht drin. Dann ist es ein Hebel-Problem, kein Existenz-Problem: Welche der drei Größen — Deckungsbeitrag je Bestellung, Bestellzahl, Fixkosten — muss sich um wie viel bewegen? Im Beispiel fehlen 1.280,00 € im Monat; das sind bei 9 € Deckungsbeitrag rund 142 zusätzliche Kern-Bestellungen oder 4,57 € mehr Deckungsbeitrag je Kern-Bestellung (Preis, Versandschwelle, Retouren). Setze eine Frist von drei Monaten und miss die Zahl — nicht das Gefühl.

Ausgang 3 · Aufhören, auf Fakten — schon der Kern trägt die Fixkosten nicht (Ergebnis ohne Rest negativ). Dann rettet kein Auslisten und keine Kampagne; es bleibt nur ein grundlegend anderer Preis, ein anderes Sortiment oder das Ende. Eine Entscheidung auf Basis dieser Rechnung lässt sich vor dir selbst begründen — und sie kommt früh genug, um geordnet zu gehen statt gezwungen.

Was die Rechnung nicht kann: Sie kennt deinen Deckungsbeitrag je Bestellung nur als Schätzung. Die echte Zahl je Artikel, je Kanal und je Kampagne liegt in deinen Shop-, Zahlungs- und Werbedaten — und genau die zusammenzurechnen ist der Punkt, an dem aus „lohnt sich das noch?" eine Frage mit Antwort wird. Der kostenlose Shop-Check zeigt in einer Minute die Außensicht; der Rest braucht deine verbundenen Daten.

Häufige Fragen

Woran erkenne ich, ob sich mein Onlineshop noch lohnt?

Nicht am Umsatz und nicht am Gefühl, sondern an drei Zahlen: dem Deckungsbeitrag deiner wichtigsten Produkte, dem Anteil deiner Bestellungen, der nach allen variablen Kosten positiv ist, und der Frage, ob diese Beiträge deine Fixkosten decken. Häufig zeigt die Rechnung: Ein Teil des Shops trägt — ein anderer zehrt.

Soll ich meinen Shop schließen oder verkleinern?

Bevor du ganz schließt: Rechne, ob ein verkleinerter Shop (profitables Kernsortiment, weniger Kanäle, weniger Fixkosten) tragfähig wäre. Oft stirbt nur ein Sortiment oder ein Kanal, nicht das Geschäft. Die Entscheidung wird leichter, wenn sie nicht „alles oder nichts" heißt.

Wie lange sollte ich einem unprofitablen Shop noch Zeit geben?

Setz dir eine Frist mit Messpunkten statt eines Bauchgefühls: z. B. 3 Monate, in denen du die Verlustquellen kennst und gezielt abstellst (Preise, Verlustbringer, Werbekosten). Verbessert sich der Deckungsbeitrag messbar, verlängere. Wenn nicht, hast du eine Entscheidung auf Fakten — das ist auch ein Erfolg.

Wie finde ich heraus, welcher Teil meines Shops Verlust macht?

Teile das Sortiment in zwei Gruppen: die Artikel, die nach Retouren und Werbung Deckungsbeitrag tragen, und den Rest. Rechne je Gruppe Bestellungen × Deckungsbeitrag je Bestellung und stelle die Fixkosten daneben. Im Beispiel trägt der Kern 2.520,00 € im Monat, der Rest zehrt 240,00 €; ohne den Rest stünde der Shop bei 720,00 € statt 480,00 € nach Fixkosten. Die Rechnung oben macht das mit deinen Zahlen.

Wie viel Unternehmerlohn muss ein Onlineshop verdienen, damit er sich lohnt?

Mindestens den Betrag, den du woanders für dieselbe Zeit verdienen würdest — sonst subventionierst du den Shop mit deiner Arbeit. Rechne ihn wie eine Fixkostenposition: Im Beispiel bleiben nach 1.800 € Fixkosten 720,00 € (ohne den zehrenden Rest); bei 2.000 € Unternehmerlohn fehlen 1.280,00 € — das entspricht rund 142 zusätzlichen Kern-Bestellungen im Monat. Diese Lücke ist die Messgröße für die Frist, die du dir gibst.

Passende Werkzeuge

Zerlege deinen Shop in tragende und zehrende Teile.

de_core rechnet Marge, Retouren und Werbekosten je Produkt und Kanal aus deinen echten Daten — damit du auf Fakten entscheidest, nicht auf Erschöpfung.