Vergleich · Werkzeugklassen 2026

Dashboard, Profit-Tracker, ERP-Report oder Modell: Welches Werkzeug beantwortet welche Frage?

Wer als Onlinehändler „Gewinn je Artikel" sucht, findet vier Klassen von Werkzeugen, die alle „Übersicht" versprechen und Verschiedenes leisten. Dieser Vergleich nennt keine Anbieter — er sortiert nach Fragen: Welche Datenquellen fließen ein? Rechnet das Werkzeug DB3 je Artikel oder zeigt es Umsatz? Kennt es den Break-even je Kampagne, den Stockout, die Liquidität — und weiß es bei jeder Zahl, woher sie kommt? Die Tabelle steht zuerst, die Erklärung danach.

Die vier Klassen im Überblick — zehn Kriterien

Stand 27.08.2026. Bewusst ohne Anbieternamen: Funktionen und Tarife ändern sich, die Klassen nicht. „Ja/Nein" beschreibt den typischen Vertreter der Klasse.

KriteriumDashboard-ToolProfit-TrackerERP-/WaWi-ReportDigitaler Zwilling (Modell)
DatenquellenEin System (meist der Shop), manchmal das Werbekonto danebenShop + Werbekonten + Zahlungsanbieter, per SchnittstelleNur das ERP: Belege, Bestände, RechnungenShop, Werbekonten, Zahlungsanbieter, Warenwirtschaft — nur lesend
Gewinn je Artikel (DB3)Nein — Umsatz, Bestellungen, Ø BestellwertJa, als Kennzahl je Produkt; Retouren und Versandkosten meist als PauschaleRohertrag (VK − EK) je Artikel; keine Werbung, Gebühren, RetourenkostenJa — je Bestellung verrechnet: Ware, Versand, Gebühr, Retoure, Werbung
Break-even je KampagneROAS aus dem Werbekonto, ohne MargeTeils: ROAS gegen ZielmargeNeinJa — Break-even-ROAS aus der Marge der beworbenen Artikel
Stockout / MeldebestandNeinNeinMindestbestand-Warnung; kein Sicherheitsbestand aus AbsatzschwankungJa — Reserve aus Absatz- und Lieferzeitschwankung, Stockout-Kosten je Tag
LiquiditätNeinNeinOffene Posten, FälligkeitenJa — 13 Wochen aus offenen Posten, Auszahlungsfristen, Einkauf, Werbebudget
Herkunft je ZahlEine Quelle, daher klarMeist ohne Beleg je ZahlBeleg je BuchungJede Zahl mit Quelle, Zeitpunkt und Annahme
Was passiert, wenn sich etwas ändertNichts — AnzeigeNeue KennzahlNeue BuchungModell rechnet neu: Auswirkung auf DB3, Break-even, Bestand, Liquidität
Hosting / DatenschutzBeim Shop-AnbieterMeist außerhalb der EU, Datenweitergabe an Werbeplattformen üblichBeim ERP-Anbieter oder eigener ServerEntwickelt und gehostet in Deutschland, keine Weitergabe
AufwandKeiner — ist schon daApp installieren, Kosten je Produkt pflegenEinrichtung und Pflege durch BuchhaltungQuellen verbinden, Annahmen einmal prüfen — dann nächtlich automatisch
Passt fürErste Orientierung, TagesumsatzKleine Sortimente mit wenigen KanälenBelegführung, Lager, BuchhaltungHändler mit mehreren Quellen, die Entscheidungen rechnen wollen

Klasse 1 · Dashboard-Tools: die Anzeige des Systems, in dem sie stecken

Das Dashboard des Shopsystems ist die erste Quelle jedes Händlers — und die ehrlichste über das, was es kennt: Umsatz, Bestellungen, Ø Bestellwert, Bestseller, Besucher. Es rechnet nichts hinzu, was in einem anderen System entsteht. Zahlartgebühren werden beim Zahlungsanbieter einbehalten, Versandkosten stehen auf der Logistikrechnung, Werbung im Werbekonto, Retourenkosten im Lager. Ein Dashboard kann deshalb keinen Gewinn je Artikel zeigen; es zeigt Umsatz je Artikel und lässt den Rest offen. Für die Frage „Wie läuft der Tag?" reicht das. Für die Frage „Verdient dieser Artikel?" nicht — im Beispiel werden aus 8.611,76 € Bruttogewinn 147,43 € Ergebnis, und keine der Abzugszeilen steht im Dashboard.

Klasse 2 · Profit-Tracker: Gewinn als Kennzahl, Kosten als Pauschale

Profit-Tracker-Apps setzen genau hier an: Sie holen Werbekosten aus den Werbekonten und Gebühren vom Zahlungsanbieter, rechnen sie gegen den Umsatz und zeigen einen Netto-Gewinn je Tag und je Produkt. Das ist ein echter Fortschritt gegenüber dem Dashboard. Die Grenze liegt in der Herkunft der Zahlen: Einkaufspreise werden je Produkt gepflegt statt aus Einkaufsbelegen gelesen, Versand- und Retourenkosten laufen als Pauschale, Bestände und Lieferzeiten kommen nicht vor. Ein Profit-Tracker beantwortet „Wie viel ist gestern geblieben?". Er beantwortet nicht „Was passiert mit dem Ergebnis, wenn die Retourenquote von 10 auf 20 % steigt?" — das wären im Beispiel 6,41 € statt 3,54 € DB3 je Bestellung, und diese Rechnung braucht ein Modell, keine Kennzahl. Dazu kommt, dass viele dieser Apps außerhalb der EU gehostet sind und Daten an Werbeplattformen zurückspielen.

Klasse 3 · ERP- und Warenwirtschafts-Reports: beleggenau, aber nur für das ERP

Die Warenwirtschaft ist die verlässlichste Quelle für Einkaufspreise, Bestände und offene Posten — jede Zahl hat einen Beleg. Ihre Reports rechnen den Rohertrag je Artikel korrekt: Verkaufspreis netto minus Einkaufspreis. Was sie nicht rechnen, weil es nicht im ERP entsteht: Werbekosten je Artikel, Zahlartgebühren je Bestellung, Retourenkosten als Vollkosten, Break-even je Kampagne. Im Beispiel liegen zwischen 21,53 € Rohertrag und 6,41 € DB3 vier Abzüge, die in keiner Warenwirtschaft je Artikel gebucht sind (Ratgeber). Der Mindestbestand des ERP ist eine gepflegte Zahl, kein Sicherheitsbestand aus Absatz- und Lieferzeitschwankung.

Klasse 4 · Digitaler Zwilling: ein Modell des Geschäfts, das jede Nacht rechnet

Ein digitaler Zwilling liest alle vier Quellen — Shop, Werbekonten, Zahlungsanbieter, Warenwirtschaft — nur lesend und verrechnet sie je Bestellung: Ware aus dem Einkaufsbeleg, Gebühr aus dem Tarif des Zahlungsanbieters, Versand aus der Logistikrechnung, Retoure als Erwartungswert je Artikel, Werbung aus dem Werbekonto. Daraus entstehen DB3 je Artikel, Break-even-ROAS je Kampagne, Sicherheits- und Meldebestand je Artikel und eine Liquiditätsvorschau — jede Zahl mit Quelle, Zeitpunkt und Annahme. Der Unterschied zu den drei anderen Klassen ist nicht die Menge der Kennzahlen, sondern dass die Zahlen zusammenhängen: Ändert sich die Retourenquote, ändern sich DB3, Kipppunkt, Break-even-ROAS und die Bestellungen, die für die Fixkosten nötig sind — im Beispiel 391 statt 708, wenn die Quote von 10 auf 20 % steigt. Das ist die Klasse, in der de_core arbeitet; der Vergleich ist trotzdem ehrlich gemeint: Wer nur einen Shop und wenige Artikel hat, braucht dieses Modell nicht.

So wählst du: drei Fragen, keine Feature-Liste

Häufige Fragen

Ersetzt ein Profit-Tracker die Warenwirtschaft?

Nein. Der Profit-Tracker kennt Werbekosten und Gebühren, die Warenwirtschaft kennt Einkaufspreise aus Belegen, Bestände und offene Posten. Beide zusammen sind die Quellen; keines von beiden rechnet den DB3 je Artikel aus allen Kosten. Das ist der Platz des Modells.

Reicht das Shop-Dashboard, wenn ich nur einen Kanal habe?

Für Umsatz und Bestellungen ja. Für den Gewinn je Artikel fehlen Zahlartgebühr, Versandkosten, Retourenkosten und Werbung — im Beispiel 15,12 € je Bestellung bei 33,53 € Netto-Erlös. Mit dem kostenlosen Deckungsbeitrags-Rechner lässt sich das für einzelne Artikel nachrechnen; ein Modell lohnt erst ab mehreren Quellen.

Was unterscheidet einen digitalen Zwilling von einem Dashboard mit mehr Kennzahlen?

Der Zusammenhang. Ein Dashboard zeigt Kennzahlen nebeneinander; ein Modell rechnet sie auseinander hervor: Aus Retourenquote, Einkaufspreis, Gebühr und Werbung folgt DB3, daraus Break-even-ROAS und die Bestellungen, die für die Fixkosten nötig sind. Ändert sich eine Eingangsgröße, ändern sich alle abhängigen Zahlen — mit Herkunft.

Warum nennt dieser Vergleich keine Anbieter?

Weil sich Tarife, Funktionen und Hosting-Orte monatlich ändern und ein Anbietervergleich in wenigen Wochen veraltet wäre. Die vier Klassen und die Fragen dahinter bleiben stabil. Für einen konkreten Anbieter lassen sich die zehn Kriterien der Tabelle in einer Viertelstunde prüfen.

Weiterlesen und rechnen

Die Klasse 4 kannst du sieben Tage lang prüfen.

Shop verbinden, Sofort-Befund lesen, DB3 je Artikel sehen. Nur lesend, ohne Zahlungsdaten, jederzeit trennbar.