Ratgeber · Shopify

Shopify zeigt Umsatz, nicht Gewinn — so rechnest du wirklich

Shopifys Finanzübersicht endet beim Bruttogewinn: Nettoumsatz minus „Kosten pro Artikel". Was danach kommt — Versandkosten, Kartengebühren je Bestellung, Retourenkosten, Werbung, Fixkosten — steht in vier anderen Systemen. Im Beispiel-Shop mit 400 Bestellungen zeigt Shopify 8.611,76 € Bruttogewinn im Monat; das Ergebnis liegt bei 147,43 €. Hier ist die Rechnung mit Shopifys eigenen Begriffen — und wie du sie in einer Stunde selbst machst.

Was Shopify zeigt — und was es damit meint

Shopifys Berichte sind sauber definiert, und das ist das Problem: Wer die Definitionen nicht kennt, liest „Gewinn", wo „Warendeckungsbeitrag" steht. Die Begriffe aus den Umsatz- und Finanzberichten, übersetzt in Händler-Sprache:

Shopify-BegriffBedeutetFehlt darin
BruttoumsatzProduktpreis × Menge vor Steuern, Versand, Rabatten und Umsatzrückgängen — inklusive unbezahlter und stornierter Bestellungen.Alles, was den Preis wieder schmälert.
RabatteProdukt-, Kollektions- und Bestell-Rabatte, anteilig auf Positionen verteilt.
UmsatzrückgängeRetouren, Stornos, Bestelländerungen — als negative Umsatzbuchung.Die Kosten der Retoure: Rückversand, Bearbeitung, Wertverlust, einbehaltene Gebühren.
NettoumsatzBruttoumsatz − Rabatte − Umsatzrückgänge.Steuern, Versand, alle Kosten.
VersandVersandgebühren, die der Kunde gezahlt hat, minus Versandrabatte und -erstattungen.Was DHL, DPD oder dein Fulfiller dir berechnen.
BruttogewinnNettoumsatz − „Kosten pro Artikel" der verkauften Varianten. Nur Varianten mit gepflegtem Wert; der Wert ist statisch zum Verkaufszeitpunkt.Versandkosten, Zahlartgebühren, Retourenkosten, Werbung, Fixkosten. Das ist der DB1, nicht der Gewinn.
Shopify-Payments-AktivitätAbgestimmte Übersicht über Gebühren, Rückerstattungen und Auszahlungen deines Shopify-Payments-Kontos.Zuordnung je Bestellung oder Produkt; alles, was über PayPal, Klarna oder Rechnung läuft.

Ob deine Umsatzzahlen brutto oder netto der Umsatzsteuer sind, hängt von der Einstellung „Steuern in Preise einbeziehen" ab — prüfe es an einer einzelnen Bestellung, bevor du mit den Berichten rechnest. Alle Beispiele hier rechnen vom Netto-Erlös (39,90 € brutto = 33,53 € netto bei 19 %).

Die Rechnung, die Shopify nicht macht

Beispiel-Shop: 400 Bestellungen im Monat à 39,90 €, Einkaufspreis 12,00 € (als „Kosten pro Artikel" gepflegt), Versand 4,90 € je Sendung, Shopify Payments auf Basic (2,1 % + 0,30 €), 10 % Retourenquote, 6,00 € Rückversand und Bearbeitung je Retoure, 10 % Wertverlust der Ware, 2.400 € Werbekosten (6,00 € je Bestellung), 2.500 € Fixkosten inklusive Shopify-Tarif, Apps, Lager und Gehalt. Blau markiert: die Zeilen, die Shopify dir zeigt.

Vom Shopify-Bruttogewinn zum Ergebnis (ein Monat)
Nettoumsatz laut Shopify (400 × 33,53 €, ohne Umsatzrückgänge)13.411,76 €
− Kosten pro Artikel (400 × 12,00 €)−4.800,00 €
= Bruttogewinn laut Shopify (64,2 %) = DB18.611,76 €
− Versandkosten, die du trägst (400 × 4,90 €)−1.960,00 €
− Shopify-Payments-Gebühren (400 × 1,14 €) — nur in der Payments-Aktivität sichtbar−455,16 €
− Retourenkosten: 40 Retouren × 28,73 € Verlust je Retoure (Erlös weg, Hinversand weg, Rückversand, Wertverlust, Gebühr)−1.149,18 €
= DB2 — was 400 Bestellungen vor Werbung einbringen5.047,43 €
− Werbekosten (Google, Meta — stehen im Werbekonto)−2.400,00 €
= DB3 — nach allen variablen Kosten2.647,43 €
− Fixkosten (Shopify Basic 27 €, Apps, Lager, Gehalt)−2.500,00 €
= Ergebnis vor Steuern und Unternehmerlohn147,43 €

Von den 8.611,76 € Bruttogewinn, die Shopify ausweist, bleiben 1,7 % übrig. Kein Wert in dieser Tabelle ist versteckt — aber nur die ersten drei Zeilen stehen in Shopify. Die anderen liegen beim Versanddienstleister, in der Shopify-Payments-Aktivität, im Lager und im Werbekonto. Der Break-even des Shops liegt bei 378 Bestellungen; 22 Bestellungen weniger, und das Ergebnis ist negativ — während die Finanzübersicht weiter einen fünfstelligen Nettoumsatz und 64 % Bruttomarge zeigt.

Die fünf Lücken im Detail

1 · Versand: Shopify kennt nur die Kundenseite

Der Bericht „Versand" summiert, was Kunden für den Versand bezahlt haben. Deine Versandkosten — Porto, Karton, Füllmaterial, Etikett — stehen auf der Rechnung des Dienstleisters. Wer „versandkostenfrei ab 39 €" anbietet, hat in Shopify eine Versandzeile von null und trotzdem 4,90 € Kosten je Sendung. Im Beispiel sind das 1.960 € im Monat, die in keinem Shopify-Bericht auftauchen.

2 · Gebühren: je Auszahlung statt je Bestellung

Die Shopify-Payments-Aktivität zeigt Gebühren korrekt — aber als Kontobewegung je Auszahlung. Welche Bestellung, welches Produkt, welche Kampagne die Gebühr getragen hat, steht dort nicht. Zahlungen über PayPal oder Klarna laufen ganz am Shopify-Konto vorbei; auf Basic kommt für sie 2 % Drittanbieter-Gebühr dazu. Für den Deckungsbeitrag je Produkt brauchst du die Gebühr je Bestellung: 2,1 % vom Brutto-Betrag plus 0,30 €.

3 · Retouren: Umsatzrückgang ist nicht Retourenkosten

Eine Retoure erscheint in Shopify als Umsatzrückgang — der Nettoumsatz sinkt um den Erlös. Das ist richtig und unvollständig: Der Hinversand ist verloren, der Rückversand und die Bearbeitung kosten, die Ware verliert Wert, und die Kartengebühr fließt je nach Anbieter ganz oder teilweise nicht zurück (PayPal behält laut Gebührenübersicht die Festgebühr). Im Beispiel kostet jede Retoure 28,73 € mehr, als eine behaltene Bestellung bringt. Wie du diese Zahl je Produkt bestimmst, steht im Ratgeber Retouren-Kosten.

4 · Werbung: Zuordnung ohne Marge

Shopifys Marketing-Berichte ordnen Bestellungen Kanälen zu und zeigen bei verbundenen Konten auch Kosten. Was sie nie tun: die Kosten gegen den Deckungsbeitrag der beworbenen Artikel rechnen. Ein ROAS von 6,65 wirkt komfortabel; ob er reicht, entscheidet die DB2-Marge — im Beispiel 37,6 %, Break-even-ROAS 3,16. Bei einem Artikel mit 15 % Marge wäre derselbe ROAS ein Verlustgeschäft. Den Rechenweg zeigt der ROAS-Rechner.

5 · Kosten pro Artikel: statisch und freiwillig

Der Bruttogewinn-Bericht rechnet nur Varianten, die zum Verkaufszeitpunkt einen Wert im Feld „Kosten pro Artikel" hatten; Einkaufspreisänderungen wirken nicht zurück, und Bezugskosten (Fracht, Zoll) trägt niemand ein. Ein Sortiment, bei dem ein Drittel der Varianten keinen Wert hat, zeigt einen Bruttogewinn, der ein Drittel der Verkäufe ignoriert. Das ist kein Fehler von Shopify — es ist ein Feld, das gepflegt werden muss.

So rechnest du wirklich — in einer Stunde

Für ein Produkt dauert das eine Stunde. Für 300 Varianten und drei Kanäle ist es eine wöchentliche Aufgabe — oder eine Aufgabe für ein Modell, das die vier Quellen verbindet: de_core für Shopifyde_core für VARIOde_core für Shopwarede_core für xentralde_core für weclappde_core für WooCommerce.

Shopify-Tarif und Gebühren je Bestellung

Die Kartengebühr ist die einzige Shopify-Kostenart, die je Bestellung anfällt — und sie hängt am Tarif. Preise laut shopify.com/de/preise, abgerufen am 26.08.2026, Jahreszahlung; Shopify Payments Online-Standardkarten Deutschland. Beispiel 39,90 € Bestellwert, 400 Bestellungen im Monat.

TarifTarif je MonatKartengebührje BestellungGebühren je MonatShopify gesamtDrittanbieter-Gebühr
Basic27 €2,1 % + 0,30 €1,14 €455,16 €482,16 €2 %
Grow79 €1,8 % + 0,30 €1,02 €407,28 €486,28 €1 %
Advanced289 €1,6 % + 0,30 €0,94 €375,36 €664,36 €0,6 %

Bei 400 Bestellungen ist Basic am günstigsten; Grow rechnet sich mit Shopify Payments ab 17.333 € Kartenumsatz im Monat (52 € Mehrpreis ÷ 0,3 Prozentpunkte), Advanced ab 105.000 €. Mit PayPal als Hauptzahlart verschiebt sich das: Die Drittanbieter-Gebühr fällt von 2 % auf 1 %, Grow lohnt sich dann schon ab 5.200 € Umsatz. Den Vergleich mit deinen Zahlen rechnet der Gebühren-Rechner auf de_core für Shopify.

Die Grenze dieses Ratgebers

Er rechnet einen Shop mit einem Produkt, einer Retourenquote und einem Werbekostenanteil. Ein echter Shopify-Shop hat hunderte Varianten mit eigenen Einkaufspreisen, Retourenquoten und Werbekosten — und genau die Artikel mit dem besten ROAS sind oft die mit negativem DB3. Um das zu sehen, müssen Shopify, Werbekonten, Zahlungsanbieter und Lager je Artikel zusammenrechnen. Das ist der Job von de_core: nur lesend an die Shopify-Admin-API angebunden, jede Nacht durchgerechnet, jede Zahl mit Herkunft.

Häufige Fragen

Zeigt Shopify meinen Gewinn an?

Nein. Shopify zeigt Bruttoumsatz, Nettoumsatz und — nur wenn je Variante „Kosten pro Artikel" gepflegt ist — einen Bruttogewinn (Nettoumsatz minus Wareneinsatz). Versandkosten, die du trägst, Zahlartgebühren je Bestellung, Retourenkosten, Werbekosten und Fixkosten fehlen. Im Beispiel-Shop zeigt Shopify 8.611,76 € Bruttogewinn im Monat, das Ergebnis liegt bei 147,43 €.

Was bedeutet Bruttogewinn in Shopify?

Nettoumsatz (Bruttoumsatz minus Rabatte minus Umsatzrückgänge) minus Kosten pro Artikel der verkauften Varianten. Der Wert ist statisch: Shopify rechnet mit dem zum Verkaufszeitpunkt hinterlegten Einkaufspreis. Varianten ohne Kostenangabe fehlen im Gewinnbericht. Das entspricht dem DB1 — dem Warendeckungsbeitrag —, nicht dem Gewinn.

Warum ist meine Shopify-Auszahlung kleiner als der Umsatz?

Weil Shopify Payments Kartengebühren einbehält (Basic 2,1 % + 0,30 € je Online-Zahlung, Grow 1,8 %, Advanced 1,6 %), Rückerstattungen abzieht und die Auszahlung zeitversetzt überweist. Zahlungen über PayPal oder Klarna laufen zusätzlich am Shopify-Konto vorbei und tragen auf Basic 2 % Drittanbieter-Gebühr. Die Shopify-Payments-Aktivität zeigt das je Auszahlung, nicht je Bestellung.

Wie hoch sind die Shopify-Gebühren je Bestellung?

Bei 39,90 € Bestellwert mit Shopify Payments: Basic 1,14 €, Grow 1,02 €, Advanced 0,94 € (Deutschland, Online-Standardkarten, Stand 26.08.2026). Dazu kommt der Tarif: 27, 79 oder 289 € je Monat bei Jahreszahlung. Bei 400 Bestellungen im Monat sind das gesamt 1,21 €, 1,22 € bzw. 1,66 € je Bestellung.

Lohnt sich der Grow-Tarif statt Basic?

Grow spart 0,3 Prozentpunkte Kartengebühr und kostet 52 € mehr im Monat. Mit Shopify Payments rechnet sich das ab rund 17.333 € Kartenumsatz im Monat; mit einem Drittanbieter wie PayPal (2 % statt 1 % Zusatzgebühr) schon ab 5.200 €. Advanced lohnt sich mit Shopify Payments erst ab etwa 105.000 € Monatsumsatz.

Passende Werkzeuge

Welche deiner Shopify-Artikel verdienen nach allen Kosten — und welche nicht?

de_core liest deinen Shop nur lesend, verbindet ihn mit Werbekonten, Zahlungsanbieter und Lager und rechnet jede Nacht DB1 bis DB3 je Artikel.