Ratgeber · Warenwirtschaft

Was deine Warenwirtschaft nicht zeigt: Werbekosten, Zahlungsgebühren, Retouren

Die Warenwirtschaft ist die ehrlichste Quelle im Onlinehandel: Einkaufspreise aus Belegen, Bestände auf das Stück, offene Posten auf den Cent. Ihr Rohertrag je Artikel ist die Zahl, mit der die meisten Händler ihre Marge meinen. Nur: Zwischen Rohertrag und Ergebnis liegen drei Kostenarten, die in keiner Warenwirtschaft je Artikel stehen — Werbekosten, Zahlartgebühren, Retourenkosten. Im Beispiel-Shop werden aus 8.611,76 € Rohertrag im Monat 63,59 € Ergebnis. Hier ist die Rechnung — und wie du die drei Lücken schließt, ob mit JTL, VARIO, xentral, weclapp oder einer Tabelle.

Was die Warenwirtschaft zeigt — und was sie damit meint

Eine Warenwirtschaft bucht Vorgänge: Wareneingang mit Einkaufspreis, Auftrag mit Verkaufspreis, Lagerbewegung, Rechnung, Zahlung. Daraus entstehen drei Zahlen, die jeder Händler kennt: der Rohertrag (Verkaufspreis netto minus Einkaufspreis, je Artikel und Beleg), der Bestand (je Lager, je Artikel, oft mit Mindestbestand-Warnung) und die offenen Posten (Forderungen, Verbindlichkeiten, Fälligkeiten). Alle drei sind korrekt — und alle drei beziehen sich auf das, was in der Warenwirtschaft gebucht wird.

Was dort nicht gebucht wird, weil es in anderen Systemen entsteht: die Kosten, die eine Bestellung nach dem Wareneinsatz verursacht. Das Werbekonto weiß, was die Kampagne gekostet hat, aber nicht, welche Artikel sie verkauft hat. Der Zahlungsanbieter behält seine Gebühr ein, bevor das Geld ankommt — in der Warenwirtschaft erscheint eine Auszahlungsdifferenz, kein Betrag je Bestellung. Und die Retoure ist ein Warenrücklauf mit Lagerbuchung, nicht ein Kostenvorgang mit Rückversand, Bearbeitung und Wertverlust.

Die Rechnung: vom Rohertrag zum Ergebnis

Beispiel-Shop: 400 Bestellungen im Monat à 39,90 € brutto, Einkaufspreis 12,00 €, Versand 4,90 € je Sendung, Zahlartgebühr 2,5 % + 0,35 €, 10 % Retourenquote, 6,00 € Rückversand und Bearbeitung je Retoure, 10 % Wertverlust der Ware, 2.400 € Werbekosten (6,00 € je Bestellung), 2.500 € Fixkosten. Die erste Zeile ist das, was die Warenwirtschaft ausweist.

Ein Monat, 400 Bestellungen
Rohertrag laut Warenwirtschaft (400 × [33,53 € − 12,00 €])8.611,76 €
− Versand und Verpackung, die du trägst (400 × 4,90 €)−1.960,00 €
− Zahlartgebühren (400 × 1,35 €) — beim Anbieter einbehalten−539,00 €
− Retourenkosten: 40 Retouren × 28,73 € Verlust je Retoure (Erlös weg, Hinversand weg, Rückversand, Wertverlust, Gebühr)−1.149,18 €
= DB2 — was 400 Bestellungen vor Werbung einbringen4.963,59 €
− Werbekosten (Google, Meta)−2.400,00 €
= DB3 — nach allen variablen Kosten2.563,59 €
− Fixkosten (Warenwirtschaft, Shop, Lager, Gehalt)−2.500,00 €
= Ergebnis vor Steuern und Unternehmerlohn63,59 €

Von 8.611,76 € Rohertrag bleiben 0,7 %. Die Warenwirtschaft hat nicht gelogen — sie hat die erste Zeile gezeigt. Die vier Abzüge dazwischen liegen beim Logistiker, beim Zahlungsanbieter, im Lager und im Werbekonto, und keiner davon ist je Artikel gebucht. Genau das ist der Bedarf, der in Händlerforen regelmäßig auftaucht: „Wie bekomme ich Werbekosten, Zahlungsgebühren und Retouren in meine Marge?" — und meist unbeantwortet bleibt, weil die Antwort nicht in der Warenwirtschaft liegt.

Die drei Lücken im Detail

1 · Werbekosten: das Werbekonto kennt keinen Einkaufspreis

Google Ads und Meta rechnen je Kampagne, je Tag, je Klick. Sie ordnen Umsätze zu — nach ihrer Attribution — und kennen weder Einkaufspreis noch Retourenquote der verkauften Artikel. Die Warenwirtschaft wiederum bekommt vom Werbekonto höchstens eine Sammelrechnung am Monatsende. Der ROAS von 6,65 im Beispiel wirkt komfortabel; ob er reicht, entscheidet die Deckungsbeitrags-Marge der beworbenen Artikel — im Beispiel 37 %, Break-even-ROAS 3,22. Für einen Artikel mit 15 % Marge wäre derselbe ROAS ein Verlust. Schließen: Werbekosten je Kampagne auf die verkauften Artikel verteilen (Monatskosten ÷ Bestellungen als Näherung, je Kampagne gegen Artikel als Ziel) und als Kostenart „Werbung je Bestellung" neben den Wareneinsatz stellen. Rechenweg: ROAS-Rechner.

2 · Zahlartgebühren: einbehalten, nie gebucht

PayPal 2,49 % + 0,35 €, Shopify Payments Basic 2,1 % + 0,30 €, Stripe 1,5 % + 0,25 € (Stand 26.08.2026) — die Gebühr wird vor der Auszahlung abgezogen. In der Warenwirtschaft erscheint ein Zahlungseingang, der kleiner ist als die Rechnung, und eine Sammelbuchung „Gebühren" im Rechnungswesen. Auf 400 Bestellungen sind das 539 € im Monat, die in keiner Artikelmarge stehen. Schließen: Gebühr je Bestellung aus dem Tarif rechnen (% vom Brutto-Betrag plus Fixbetrag) und je Zahlart als Kostenart führen; bei Retouren beachten, dass Anbieter die Gebühr ganz oder teilweise einbehalten.

3 · Retouren: Warenrücklauf ist nicht Retourenkosten

Die Warenwirtschaft bucht die Retoure korrekt: Ware zurück ins Lager, Erlös storniert. Was sie nicht bucht: Der Hinversand ist verloren, der Rückversand kostet, die Bearbeitung kostet Zeit, die Ware verliert Wert, die Gebühr fließt nicht zurück. Im Beispiel kostet jede Retoure 28,73 € mehr, als eine behaltene Bestellung bringt — bei 10 % Quote 2,87 € auf jede Bestellung. Für Mode mit 30 % Quote sind es 12,31 €. Schließen: Retourenquote je Artikel aus der Warenwirtschaft (die kennt sie!) mit dem Verlust je Retoure multiplizieren und als Erwartungswert je Bestellung führen. Rechenweg: Ratgeber Retouren-Kosten.

Drei Wege, die Lücken zu schließen

WegWas du bekommstWas es kostetGrenze
Tabelle neben der WarenwirtschaftDB1–DB3 je Artikel, Stand heute — die Excel-Vorlage rechnet 20 Artikel20 Minuten je Artikel, wöchentlich neuKeine Historie, keine Kampagnen-Zuordnung, keine Bestände
Zusatzfelder in der WarenwirtschaftKostenarten „Werbung je Bestellung", „Gebühr je Zahlart", „Retourenkosten je Artikel" als Felder oder KalkulationsschemaEinrichtung plus Pflege: Werte müssen von außen eingetragen werdenDie Werte altern; das Werbekonto liefert sie nicht automatisch
Modell mit angebundenen QuellenDB3 je Artikel jede Nacht aus Warenwirtschaft, Shop, Zahlungsanbieter und Werbekonten; Break-even je Kampagne; Stockout-Risiko; LiquiditätsvorschauVerbindung je Quelle, nur lesendBraucht Zugang zu allen vier Quellen — das ist der Job von de_core

Welcher Weg passt, hängt an der Sortimentsgröße: Bei zehn Artikeln reicht die Tabelle, bei hundert werden die Zusatzfelder zur Pflegeaufgabe, bei dreihundert Artikeln und drei Kanälen ist die Rechnung ohne angebundene Daten nicht mehr aktuell zu halten.

In einer Stunde: die drei Lücken für dein meistverkauftes Produkt

Die Grenze dieses Ratgebers

Er rechnet einen Artikel mit einem Durchschnitt. Ein Sortiment hat hunderte Artikel mit eigenem Einkaufspreis, eigener Retourenquote und eigener Werbung — und die Artikel mit dem besten ROAS sind oft die mit negativem DB3. Um das zu sehen, müssen Warenwirtschaft, Shop, Zahlungsanbieter und Werbekonten je Artikel zusammenrechnen. Genau das rechnet de_core jede Nacht — mit VARIO, xentral, weclapp oder JTL als Quelle, nur lesend, jede Zahl mit Herkunft.

Häufige Fragen

Warum zeigt meine Warenwirtschaft eine gute Marge, aber das Konto wächst nicht?

Weil die Warenwirtschaft den Rohertrag zeigt — Verkaufspreis minus Einkaufspreis — und nicht, was eine Bestellung danach kostet: Versand, Zahlartgebühr, Retourenkosten, Werbung. Im Beispiel werden aus 8.611,76 € Rohertrag im Monat nach diesen Abzügen und 2.500 € Fixkosten 63,59 € Ergebnis. Keine der Zahlen ist falsch; sie stehen nur in vier verschiedenen Systemen.

Kann ich Werbekosten und Gebühren in der Warenwirtschaft erfassen?

Als Kostenarten oder Zusatzfelder ja — die Werte müssen aber von außen kommen: Werbekosten je Bestellung aus dem Werbekonto, Gebühr je Zahlart aus dem Tarif, Retourenkosten je Artikel aus Rückversand, Bearbeitung und Wertverlust. Sie altern schnell, weil Kampagnen und Tarife sich ändern. Für kleine Sortimente reicht das; für große braucht es angebundene Quellen.

Wie hoch sind Zahlartgebühren je Bestellung wirklich?

Prozentsatz vom Brutto-Betrag plus Fixbetrag: PayPal 2,49 % + 0,35 €, Shopify Payments Basic 2,1 % + 0,30 €, Stripe und WooPayments 1,5 % + 0,25 € (Deutschland, Stand 26.08.2026). Bei 39,90 € Bestellwert sind das 0,85 bis 1,34 € je Bestellung — bei 400 Bestellungen 339 bis 537 € im Monat, die in keiner Artikelmarge stehen.

Was ist der Unterschied zwischen Rohertrag und Deckungsbeitrag?

Rohertrag (DB1) = Netto-Erlös minus Wareneinsatz — die Zahl der Warenwirtschaft. Deckungsbeitrag im Onlinehandel geht weiter: DB2 nach Versand, Zahlartgebühr, Marktplatzgebühr und Retourenkosten, DB3 nach Werbekosten. Erst der DB3 bezahlt Fixkosten. Im Beispiel: 21,53 € Rohertrag, 12,41 € DB2, 6,41 € DB3 je Bestellung.

Welche Warenwirtschaft kann de_core anbinden?

VARIO, xentral und weclapp über deren APIs, nur lesend: Artikel mit Einkaufspreis und Bestand, Lieferanten, Belege, offene Posten. Dazu Shops (Shopify, Shopware, WooCommerce), Werbekonten und Zahlungsanbieter. Für andere Systeme funktioniert der Export als Tabelle — die Rechnung ist dieselbe.

Passende Werkzeuge

Deine Warenwirtschaft weiß, was die Ware kostet. de_core weiß, was die Bestellung kostet.

Warenwirtschaft, Shop, Zahlungsanbieter und Werbekonten nur lesend verbunden — DB3 je Artikel, jede Nacht, jede Zahl mit Herkunft.