Ratgeber · Gewinn-Wahrheit

Online-Shop-Kosten kalkulieren: die ehrliche Rechnung

Von einer Bestellung über 29,90 € bleiben im Beispiel 3,43 € Deckungsbeitrag — nach Umsatzsteuer (4,77 €), Wareneinsatz (9,00 €), Versand und Verpackung (5,10 €), Zahlartgebühr, Retouren-Anteil und Werbekosten (6,00 €). Die Kosten eines Shops haben zwei Ebenen: pro Monat und pro Bestellung. Die meisten Kalkulationen kennen nur die erste.

Was kostet dich eine Bestellung?

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Modell: Retoure = Erlös weg, Ware wieder verkäuflich, Kosten je Retoure für Hin-/Rückversand und Bearbeitung. Fixkosten sind bewusst nicht enthalten — der Deckungsbeitrag muss sie erst verdienen.

Die zwei Ebenen jeder Kostenkalkulation

Ebene 1: Fixkosten pro Monat. Sie laufen, ob du verkaufst oder nicht: Shopsystem oder Hosting, Tools und Software, Buchhaltung, gegebenenfalls Lagerplatz und Personal. Diese Ebene ist die einfache — sie steht auf Rechnungen und lässt sich in zehn Minuten addieren.

Ebene 2: variable Kosten pro Bestellung. Sie entstehen mit jedem Verkauf — und hier verstecken sich die Posten, die Kalkulationen kippen: Wareneinsatz, Versand und Verpackung, Zahlartgebühren, anteilige Retourenkosten, Werbekosten je Bestellung. Wer nur Ebene 1 rechnet, weiß, was der Shop kostet — aber nicht, ob er sich trägt.

Checkliste: alle Kostenarten eines Online-Shops

Fixkosten (pro Monat)

Variable Kosten (pro Bestellung)

Beispielrechnung: was von 29,90 € übrig bleibt

Ein Produkt für 29,90 € brutto, mit typischen Annahmen (dein Shop hat andere Zahlen — genau deshalb lohnt die eigene Rechnung):

Beispiel: Kosten pro Bestellung

Verkaufspreis (brutto)29,90 €
− Umsatzsteuer (19 %)−4,77 €
− Wareneinsatz−9,00 €
− Versand + Verpackung−5,10 €
− Zahlartgebühr−0,80 €
− Retouren-Anteil (10 % Quote × 8 €)−0,80 €
− Werbekosten je Bestellung−6,00 €
= Deckungsbeitrag pro Bestellung3,43 €

3,43 € pro Bestellung — davon müssen jetzt noch die Fixkosten bezahlt werden. Bei 500 € Fixkosten im Monat braucht dieser Shop 146 Bestellungen, nur um auf null zu kommen. Die gleiche Rechnung als Video: „Was bleibt von 29,90 € übrig?" auf YouTube.

Kosten pro Bestellung nach Warenkorbwert: die Tabelle

Die Kosten einer Bestellung bestehen aus zwei Sorten: Prozent-Kosten, die mit dem Warenkorb wachsen (Wareneinsatz, Zahlartgebühr), und Fix-Kosten je Bestellung, die bei 25 € genauso hoch sind wie bei 100 € (Versand, Verpackung, Retourenabwicklung, Werbung). Genau diese zweite Sorte macht kleine Warenkörbe so teuer. Mit den Annahmen des Rechners oben (30 % Wareneinsatz, 5,10 € Versand, 2 % + 0,20 € Gebühr, 10 % Retouren à 8 €, 6 € Werbung):

Warenkorb bruttoNettoKosten je BestellungDeckungsbeitragAnteil DB am Netto
25,00 €21,01 €19,79 €1,22 €5,8 %
35,00 €29,41 €23,08 €6,33 €21,5 %
45,00 €37,82 €26,37 €11,44 €30,3 %
60,00 €50,42 €31,31 €19,11 €37,9 %
80,00 €67,23 €37,88 €29,34 €43,6 %
100,00 €84,03 €44,46 €39,57 €47,1 %

Unter etwa 25,00 € Warenkorb arbeitet dieser Shop mit Verlust — nicht, weil die Marge schlecht ist, sondern weil 11,10 € Versand und Werbung bei 21,01 € Netto-Erlös nicht zu verdienen sind. Ab 60 € trägt jede Bestellung zweistellig. Daraus folgen die drei wirksamsten Hebel gegen „hohe Shop-Kosten": den Mindestbestellwert oder die Versandkostenfrei-Schwelle so setzen, dass Bestellungen unterhalb des Break-even-Warenkorbs die Versandkosten selbst tragen; den Warenkorb heben (Bundles, Staffelpreise — jeder Euro mehr im Warenkorb kostet fast nichts); und die Werbekosten je Bestellung messen statt schätzen, weil sie in dieser Rechnung der größte Fixposten sind.

Rechne deinen eigenen Break-even-Warenkorb einfach im Rechner: Warenkorbwert so lange senken, bis der Deckungsbeitrag null wird. Für einzelne Produkte statt ganzer Warenkörbe ist der Preiskalkulations-Rechner das passendere Werkzeug — er kennt auch Mindestpreis und Retouren-Kipppunkt.

Vom Kostenblock zur Preiskalkulation

Die Kostenliste ist die halbe Arbeit — die andere Hälfte ist die Frage, ob dein Preis diese Kosten trägt. Dafür gibt es unseren Preiskalkulations-Rechner: Verkaufspreis, Wareneinsatz, Versand, Zahlart, Retourenquote und Werbekosten eintragen — er zeigt dir Deckungsbeitrag, Gewinnschwelle und den Punkt, ab dem ein Produkt Verlust macht. Ohne Anmeldung, Ergebnis in einer Minute.

Der Fehler, den fast alle machen: Kosten stehen in fünf Systemen

Wareneinsatz steht in der Warenwirtschaft, Versandkosten beim Versender, Gebühren beim Zahlungsanbieter, Werbekosten im Werbekonto, Retouren im Shop-Backend. Jedes System zeigt seinen Ausschnitt — keins die ganze Rechnung. Deshalb wird die Kostenkalkulation typischerweise einmal gemacht, veraltet dann und weicht still von der Realität ab, während sich Portokosten, CPCs und Retourenquoten längst bewegt haben. Die Kalkulation ist kein Dokument, sie ist ein laufender Prozess — und genau das ist der Punkt, an dem man sie automatisieren sollte.

Häufige Fragen

Welche laufenden Kosten hat ein Online-Shop?

Zwei Ebenen: monatliche Fixkosten (Shopsystem oder Hosting, Tools und Software, Buchhaltung, gegebenenfalls Lager oder Personal) und variable Kosten pro Bestellung (Wareneinsatz, Versand und Verpackung, Zahlartgebühren, anteilige Retourenkosten, Werbekosten je Bestellung). Wer nur eine der beiden Ebenen rechnet, kalkuliert an der Realität vorbei.

Wie kalkuliere ich die Kosten pro Bestellung?

Vom Netto-Verkaufspreis (Bruttopreis geteilt durch 1,19) alle variablen Kosten abziehen: Wareneinsatz, Versand, Verpackung, Zahlartgebühr, anteilige Retourenkosten (Retourenquote mal Kosten je Retoure) und Werbekosten je Bestellung. Was übrig bleibt, ist der Deckungsbeitrag — er muss Fixkosten und Gewinn tragen. Der Preiskalkulations-Rechner führt durch genau diese Rechnung.

Warum reicht die Handelsspanne aus dem Einkauf nicht als Kalkulation?

Weil zwischen Einkauf und Konto fünf weitere Abzüge liegen: Umsatzsteuer, Versand und Verpackung, Zahlartgebühren, Retouren und Werbung. Ein Produkt mit 60 Prozent Handelsspanne kann nach diesen Posten unter dem Strich Verlust machen — vor allem, wenn Werbung pro Bestellung teurer ist als gedacht.

Was kostet eine Bestellung im Onlineshop wirklich?

Alle variablen Kosten zusammen — Wareneinsatz, Versand und Verpackung, Zahlartgebühr, Retourenanteil und Werbekosten je Bestellung. Bei 45 € Warenkorb sind das im Rechenbeispiel 26,37 € von 37,82 € Netto-Erlös (70 %); es bleiben 11,44 € Deckungsbeitrag. Bei 25 € Warenkorb wird daraus mit denselben Annahmen ein Verlust, weil Versand und Werbung nicht mitschrumpfen.

Ab welchem Warenkorbwert lohnt sich eine Bestellung?

Ab dem Break-even-Warenkorb, bei dem Deckungsbeitrag null ist — im Beispiel liegt er zwischen 25 und 35 €. Er hängt fast nur an den Fix-Kosten je Bestellung (Versand, Verpackung, Werbung, Retourenabwicklung): Wer 5 € Versand und 6 € Werbung je Bestellung trägt, braucht bei 30 % Wareneinsatz und 19 % USt gut 30 € Warenkorb, nur um auf null zu kommen. Versandkostenfrei-Schwelle und Mindestbestellwert sollten oberhalb dieser Grenze liegen.

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