Ratgeber · Black Friday & Q4

Black-Friday-Rabatt und Marge: ab wann der Rabatt Verlust macht

Ein Rabatt von 20 % klingt nach einem Fünftel weniger Erlös. Für den Deckungsbeitrag ist er fast alles: Von 6,41 € je Bestellung bleiben 0,57 € — 91 % weniger. Um denselben Deckungsbeitrag wie ohne Rabatt zu erreichen, müsste der Absatz um 1.018 % steigen. Das ist keine Meinung über Black Friday, sondern Mathematik über einen Artikel mit 39,90 € Preis, 12,00 € Einkauf, 10 % Retouren und 6,00 € Werbung je Bestellung. Hier ist die Rechnung, der Kipppunkt (22 %), was Retouren- und Werbe-Peaks im Q4 zusätzlich kosten — und drei Alternativen, die tragen.

Warum ein Rabatt den Deckungsbeitrag trifft, nicht den Umsatz

Der Rabatt geht vom Verkaufspreis ab. Die Kosten je Bestellung — Einkauf, Versand, Fixgebühr, Retourenkosten, Werbung — bleiben, wie sie sind; nur Umsatzsteuer, Zahlart-Prozent und ein Teil der Retourenkosten sinken mit. Deshalb trifft ein Rabatt von 20 % auf den Preis den Deckungsbeitrag nach allen variablen Kosten um 91 %. Die Faustformel dahinter: Der Deckungsbeitrag hängt linear am Preis; im Beispiel kommen von jedem Preis-Euro 0,73 € als DB3 an, der Rest ist USt und Zahlart-Prozent. Ein Preisnachlass von 7,98 € (20 % von 39,90 €) kostet also 5,84 € Deckungsbeitrag — von 6,41 €.

Rabatt gegen Deckungsbeitrag — Beispielartikel (39,90 €, Einkauf 12,00 €, Versand 4,90 €, Zahlart 2,5 % + 0,35 €, 10 % Retouren, 6,00 € Werbung je Bestellung)
RabattPreis · DB3 je Bestellung · nötiges Mengenplus für gleichen DB3
0 %39,90 € · 6,41 € · —
5 %37,90 € · 4,95 € · +29 %
10 %35,91 € · 3,49 € · +84 %
15 %33,91 € · 2,03 € · +215 %
20 %31,92 € · 0,57 € · +1.018 %
22 %31,14 € · 0,00 € · Kipppunkt — jede Bestellung darüber verliert Geld
25 %29,92 € · −0,89 € · unmöglich
30 %27,93 € · −2,34 € · unmöglich

Die dritte Spalte ist die Frage, die vor jeder Aktion beantwortet sein muss: Um wie viel muss der Absatz steigen, damit der Rabatt sich trägt — nicht, damit der Umsatz steigt. Bei 10 % Rabatt sind es +84 %, bei 15 % schon +215 %. Black-Friday-Aktionen bringen erfahrungsgemäß deutliche Mengensprünge, aber selten das Achtfache. Und die Mengen, die kommen, bringen ihre eigenen Kosten mit.

Was das Q4 zusätzlich kostet: Retouren-Peak und Klickpreise

Zwei Effekte, die in der Rabattkalkulation fast nie stehen: Nach Rabattaktionen steigt die Retourenquote — gekauft wird spontaner, mehr in mehreren Größen, mehr als Geschenk. Und die Klickpreise steigen, weil alle gleichzeitig werben. Beides trifft den ohnehin geschrumpften Deckungsbeitrag:

20 % Rabatt unter Q4-Bedingungen
20 % Rabatt, sonst alles wie im Normalmonat0,57 € DB3
20 % Rabatt + Retourenquote 20 % statt 10 %−1,63 € DB3
20 % Rabatt + Werbekosten 9,00 € statt 6,00 € je Bestellung−2,43 € DB3
Normalmonat: 400 Bestellungen × 6,41 €2.563,59 €
Black-Friday-Monat: 1.000 Bestellungen × 0,57 € (Verdoppelung plus die Hälfte)573,18 €
Differenz — bei 150 % mehr Bestellungen, mehr Arbeit, mehr Retouren−1.990,41 €

Der Black-Friday-Monat verkauft zweieinhalbmal so viel und verdient 1.990 € weniger als ein normaler Monat. Das ist der Fall, den die Umsatzkurve im Dashboard als Rekord zeigt.

Drei Alternativen, die tragen

1 · Bundle statt Rabatt

Zwei Stück für 69,90 € statt 79,80 € — ein Rabatt von 12,4 %, aber Versand, Fixgebühr und Werbung fallen nur einmal an. Ergebnis: 17,43 € DB3 je Bundle, 8,71 € je Stück — mehr als die 6,41 € des Einzelverkaufs. Der Kunde bekommt einen sichtbaren Vorteil, der Händler einen höheren Deckungsbeitrag je Stück und einen höheren Bestellwert.

2 · Schwellenrabatt: Prozente erst ab Menge oder Bestellwert

„10 % ab 2 Stück" oder „10 % ab 60 € Bestellwert" gibt den Rabatt nur dort, wo er durch die geteilten Kosten je Bestellung finanziert wird: 10 % ab 2 Stück ergibt 18,83 € DB3 je Bestellung, 9,42 € je Stück. Wer nur ein Stück kauft, zahlt den vollen Preis — und trägt Versand und Gebühr allein.

3 · Rabatt nur auf Artikel, die ihn tragen

Ein Artikel mit 50 % DB3-Marge verträgt 20 % Rabatt; einer mit 16 % (wie im Beispiel) verträgt 5 %. Der Kipppunkt ist je Artikel verschieden — der Rechner unten liefert ihn. Aktion auf die Hälfte des Sortiments mit hoher Marge, Vollpreis auf die andere: Das ist die Black-Friday-Strategie, die im Januar noch Geld auf dem Konto lässt. Und für Artikel, die auf einen Stockout zulaufen, gilt: kein Rabatt — der Stockout kostet mehr als jede Aktion bringt.

Vor der Aktion: sechs Zahlen je Artikel

Die Grenze dieses Ratgebers

Er rechnet einen Artikel. Eine Black-Friday-Aktion trifft hunderte Artikel mit verschiedenen Margen, Retourenquoten und Beständen gleichzeitig — und die Frage „Welche 40 Artikel vertragen 20 %, welche 5 %, welche keinen?" lässt sich nur aus verbundenen Daten beantworten. de_core rechnet den Kipppunkt-Rabatt je Artikel und simuliert die Aktion, bevor sie läuft: Absatzsprung, Retouren-Peak, Werbekosten, Bestand.

Häufige Fragen

Ab welchem Rabatt macht mein Produkt Verlust?

Beim Kipppunkt-Rabatt, bei dem der Deckungsbeitrag nach allen variablen Kosten (DB3) null wird. Im Beispiel — 39,90 € Preis, 12,00 € Einkauf, 4,90 € Versand, 2,5 % + 0,35 € Zahlart, 10 % Retouren, 6,00 € Werbung — liegt er bei 22 %. Er ist je Artikel verschieden; der Rabatt-Break-even-Rechner liefert ihn aus deinen Zahlen.

Wie viel mehr muss ich verkaufen, damit sich 20 % Rabatt lohnen?

Im Beispiel +1.018 %: Der DB3 je Bestellung fällt von 6,41 € auf 0,57 €, also muss die Menge sich verelffachen, um denselben Gesamt-Deckungsbeitrag zu erreichen. Bei 10 % Rabatt sind es +84 %, bei 15 % +215 %. Die Faustformel: nötiges Mengenplus = Rabatt ÷ (DB3-Marge vom Preis − Rabatt).

Ist ein Bundle besser als ein Rabatt?

Meist ja, weil Versand, Fixgebühr und Werbung nur einmal je Bestellung anfallen. Im Beispiel bringt „2 Stück für 69,90 €" (12,4 % Rabatt) 8,71 € DB3 je Stück — mehr als die 6,41 € des Einzelverkaufs zum vollen Preis. Der Kunde bekommt einen sichtbaren Vorteil, der Händler einen höheren Deckungsbeitrag.

Warum steigt die Retourenquote nach Black Friday?

Weil unter Zeitdruck spontaner gekauft wird, häufiger in mehreren Größen und öfter als Geschenk. Im Beispiel drückt eine Retourenquote von 20 % statt 10 % den DB3 bei 20 % Rabatt von 0,57 € auf −1,63 €. Deshalb gehört die Retourenquote der letzten Aktion in die Kalkulation, nicht die Jahresquote.

Soll ich am Black Friday überhaupt mitmachen?

Mit Rabatten nur auf Artikel, deren Kipppunkt deutlich über dem geplanten Rabatt liegt, mit Bundles und Schwellenrabatten statt Prozenten auf alles — und mit einem Blick auf Bestand und Werbekosten. Ein Umsatzrekord mit weniger Ergebnis als im Normalmonat ist keine gelungene Aktion.

Passende Werkzeuge

Welche Artikel vertragen 20 %, welche 5 %, welche keinen Rabatt?

de_core rechnet den Kipppunkt-Rabatt je Artikel aus deinen Daten und simuliert die Aktion, bevor sie läuft — Absatz, Retouren, Werbung, Bestand.